Mittwoch, 3. Juli 2024

Frankreich, Tag 62 (Mittwoch, 3.7.2024): C'est la fin

Auf den Windschutzscheiben sind am Morgen noch Regentropfen, aber es regnet derzeit in Ölbrunn-Dürrn in der Nähe von Pforzheim nicht.


Ich habe heute noch rund 700 km zu fahren. Kurz nach 8 Uhr breche ich auf. Es fängt gleich gut an: nämlich mit einem Stau auf der Zufahrt zur Autobahn. Und mit dem nächsten Stau geht es weiter. Es beginnt leicht zu regnen. Obwohl ich größtenteils auf der Autobahn unterwegs bin, habe ich nach einer Stunde erst 50 km geschafft. Nach Stuttgart wird der Verkehr weniger, aber dafür fängt es stark zu regnen an. Um 9:30 lege ich auf der Raststation Gruibingen eine kurze Pause ein, steige aber bei diesem Wetter nicht aus.


Danach ist es meistens wieder trocken. Nicht weit hinter Ulm bremsen plötzlich die Autos vor mir und schalten die Warnblinkanlagen ein. Ein beschädigtes Auto steht quer auf beiden Fahrspuren, es dürfte zuerst die rechte Leitplanke berührt haben. Nach 10 Minuten kommt eine Ambulanz, wenig später ein Notarzt-Auto, dann die Feuerwehr. Nach 15 Minuten ist ein zweiter Feuerwehrwagen da. Nach 25 Minuten trifft ein schwarzer PKW mit Blaulicht (aber ohne Beschriftung) ein, dann ein Feuerwehr-Van, ein größeres Feuerwehrauto und dann wieder ein kleines. Und noch eine große Feuerwehr. Nach einer halben Stunde kommen zwei weitere große Feuerwehrautos, und jetzt lässt sich auch die Polizei blicken. Bis jetzt scheint niemand mit Aufräumarbeiten begonnen zu haben.


Google Maps empfiehlt, über Braunau am Inn zu fahren. Da ich Google etwas mehr vertraue als meinem Navi, gebe ich diese Stadt als neues Ziel ein. Bis dorthin sind es 247 km.


Nach 40 Minuten stellt jemand ein Gefahren-Dreieck mit dem Text "Ölunfall" auf. In Google Maps sehe ich, dass die Autos inzwischen bei der vorigen Ausfahrt von der Autobahn abfahren und eine Umleitung nehmen.


Nach 50 Minuten kehren einige Feuerwehrleute den Pannenstreifen. Es kommt noch ein Feuerwehrauto mit einem Spurwechsel-Anhänger. Die Feuerwehrleute stellen Hütchen auf.


Ich bin froh, dass ich eine Toilette an Bord habe. Und ausgerechnet da - nach ziemlich genau einer Stunde - geht es weiter. Schnell zurück auf den Fahrersitz und den Motor starten! Beim Vorbeifahren sehe ich, dass zwei Autos in den Unfall verwickelt waren, wobei das zweite Auto schwerer beschädigt ist. Nach der unfreiwilligen Pause wäre es zwar nicht nötig, schon wieder zu halten, aber ich habe Hunger. Darum bleibe ich um 11:45 am Parkplatz "Scheppacher Forst Süd" stehen.


Ich esse mein letztes Stück Brot, den letzten Aufstrich und den letzten Käse. Nur Zwiebeln habe ich noch genug.


Um 12:35 fahre ich weiter. Es regnet jetzt wieder. Da der Wind nach Osten weht, überhole ich die Regenwolke und fahre ihr davon. Die Fahrt verläuft nun problemlos, auch die Nordumfahrung von München - nur dass ich in einem Gegenverkehrsbereich die Ausfahrt verpasse und bei der nächsten umdrehen muss. Von München nach Passau ist deutlich weniger Verkehr. Kurz vor der Grenze regnet es, aber der Grenzübertritt erfolgt um 15:30 im Trockenen. Ich steuere in Braunau am Inn den Lidl an und kaufe einen Kaffee und das Abendessen. Ob ich ein Baguette um 35 Cent bekomme, wenn ich mich auf die Preise in Frankreich berufe?


Um 16:15 mache ich mich auf den Weg zum Pyhrnpass und erreiche nach zwei Stunden die Steiermark. Es ist jetzt teilweise bewölkt, aber meistens scheint die Sonne. In Österreich fährt es sich deutlich entspannter als in Deutschland. In Liezen gibt es vis-a-vis vom Lidl einen Parkplatz, ...


... wo ich meine vorletzte Dose Sardinen esse. Das 89-Cent-Baguette schmeckt nicht anders als jenes um 35 Cent.


Um 19:05 starte ich zur letzten Etappe. Um 20:30 ist die Bretagne-Reise zu Ende.

Meine Route:


Kilometerstand: 6682 km (680 km gefahren).


Viele Kilometer Stau waren am Mittwochmorgen die Folge eines Unfalls auf der A8 nahe Elchingen. Informationen des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West zufolge stießen dort gegen 10.30 Uhr zwei Autos in Fahrtrichtung München zusammen. Der Grund: Der hintere Autofahrer war seinem Vordermann aus noch unbekanntem Grund hinten aufgefahren. Beide Autos gerieten durch den Zusammenstoß ins Schleudern, prallten gegen die dortige Leitplanke und kamen schließlich quer auf der Fahrbahn zum Stehen.

Bei dem Unfall wurde niemand verletzt, an den Autos sowie der Leitplanke entstand ein Sachschaden von rund 40.000 Euro. Nach dem Crash war die A8 an der betroffenen Stelle kurzzeitig voll und später für Arbeiten der Feuerwehr und Autobahnmeisterei teilweise gesperrt.

Dienstag, 2. Juli 2024

Frankreich, Tag 61 (Dienstag, 2.7.2024): Fahrt bis Pforzheim

Nach der ungewollten, anstrengenden Fahrt durch Paris schlafe ich heute lang. Um 8:45 verlasse ich den Friedhofsparkplatz im Dorf Nesles. Als Ziel gebe ich eine Tankstelle in Kehl an. Das Navi errechnet 412 km bis dorthin.


Auf der N4 ist wenig Verkehr. Abschnitte mit 80 und manchmal 90 km/h wechseln mit vierspurigen Teilstücken ab, auf denen 110 km/h erlaubt sind (und so gut wie alle Franzosen halten sich daran). Die Landschaft ist langweilig, die Dörfer und Städte sind uninteressant und hässlich. Oft fährt man kilometerweit geradeaus. Nur gelegentliche Ortsdurchfahrten bringen etwas Abwechslung. Nach eineinhalb Stunden beginnt es fein zu nieseln, später regnet es etwas mehr, aber die Intervallschaltung der Scheibenwischer reicht aus. Am Rastplatz Aire de Toul halte ich ...


... für eine Mittagspause mit Thunfisch und Baguette.


Um 12:45 fahre ich weiter. Bis Kehl sind es noch 178 km.


Es regnet nun mehr, zwischendurch hört es aber auch immer wieder auf. Die ersten hundert Kilometer fährt man vierspurig. Bei Moyenmoutier führt mich das Navi auf eine recht kurvenreiche Landstraße in einer schönen Gegend mit niedrigen Bergen und viel Wald. Ein "Route barree"-Schild ist mir schon abgegangen und zwingt mich, eine Umleitung zu fahren. Dann wird die Straße wieder breiter, und schließlich kommt die Autobahn bis kurz vor Straßburg. Um 15:30 überquere ich den Rhein und erreiche Deutschland, wo ich um 1,629 Euro tanke. Danach stelle ich mich auf den Park+Ride-Platz beim Bahnhof Kehl, wo ich am Beginn der Reise zweimal übernachtet habe.


Ich möchte heute noch rund 100 km fahren. Ich suche zuerst in der Promobil-App nach einem kostenlosen offiziellen Stellplatz, aber die Kommentare der User sind durchwegs miserabel. Wie gut, dass es Park4night gibt. Ich wähle einen Parkplatz nördlich von Pforzheim, auf dem ich heute Nacht meine Fahrtüchtigkeit wiederherstellen kann - wenn der Parkplatz nichts ist, habe ich noch genug Zeit, um bei Tageslicht einen besseren zu finden.


An die deutschen Raser muss ich mich erst wieder gewöhnen. 8 km vor der Ausfahrt in Pforzheim beginnt ein schlimmer Stau (aber doch angenehmer als in Paris, weil erstens klar ist, wohin man fahren muss, und es zweitens keine Motorräder gibt, die sich mit viel zu hoher Geschwindigkeit zwischen den Kolonnen durchdrängen). Später sehe ich den Grund: 10 km hinter dem Staubeginn gibt es eine Baustelle. Endlich kann ich die Autobahn verlassen. Mit 45 Minuten Verspätung erreiche ich um 18:45  den Parkplatz in Ölbronn-Dürrn, der nicht ganz an die guten Bewertungen in Park4night heranreicht: erstens ist man von der Straße her nicht völlig verdeckt, zweitens kommen trotz des leichten Regens lokale Hundebesitzerinnen, die ihre Wauwaus hierher zum Gassi-Gehen kutschieren, und drittens hängt unter dem Parkplatz-Schild eine Zusatztafel, die einen PKW zeigt. Ich beschließe aber trotzdem zu bleiben, ich war halt bereits so am Ende meiner Fahrtüchtigkeit, dass ich die Zusatztafel leider übersehen habe.


Heute verspeise ich meine letzte Packung Teigwaren.


Meine Route:



Kilometerstand: 6002 km (526 km gefahren).

Montag, 1. Juli 2024

Frankreich, Tag 60 (Montag, 1.7.2024): Vitre

Wie erwartet hatte ich eine ruhige Nacht, ganz allein auf dem kleinen Parkplatz in einer Sackgasse am Rand von Vitre, einer Stadt mit fast 20.000 Einwohnern. Erst am Morgen hat sich ein PKW dazu gestellt.


Ich breche zu einer Stadtbesichtigung auf. Vitre stellt sich als eine gute Wahl fürs letzte Sightseeing auf dieser Reise heraus, denn die Altstadt ist sehr sehenswert. Hier ein paar Bilder:












Es folgt der wahrscheinlich letzte Einkauf bei einem französischen Lidl (für dieses Mal).


Am Lidl-Parkplatz verspeise ich den restlichen Schinken.


Als ich um 13 Uhr los fahre (natürlich weiterhin ohne Mautstraßen), zeigt das Navi bis Strasbourg genau 777 km an. 


Das werde ich heute nicht schaffen, aber ich fahre einfach so weit ich komme und werde mir am Abend einen Platz zum Übernachten suchen. Am Anfang kommt gefühlt alle 1000 m ein Kreisverkehr, dass einem richtig schwindlig werden kann. Dann folgt die Route eine Weile schmäleren Straßen, wo man - wenn es erlaubt wäre - selten mehr als 80 km/h fahren könnte, und anschließend kommen längere Abschnitte auf autobahnähnlichen Schnellstraßen. Um 15:45 lege ich auf einem Rastplatz in der Nähe des Dorfes La Ventrouze eine Pause ein.


Um 16 Uhr gebe ich wieder Gas. Um 16:40 gerate ich in Saint-Remy-sur-Avre für 10 Minuten in einen Stau. Etwas später wird mir bewusst, dass mich das Navy ziemlich nah an Paris heran führt - vor der Abfahrt in Vitre habe ich extra die Routenführung angeschaut, und da wurde mir eine Route weiter südlich angezeigt. Es wäre besser gewesen, wenn ich Chartres und Fontainebleau als Zwischenziele eingegeben hätte. Jetzt ist es dazu zu spät. Ich habe gerade Versailles passiert, als es um 17:40 zu stauen beginnt. Lange geht es fast nur im Schritttempo weiter. Zwischen den Autokolonnen zischen Motorräder mit eingeschaltetem Warnblinker und hupend vorbei - es wundert mich, dass es da nicht regelmäßig zu Unfällen kommt. Der Abendverkehr in Paris und Umgebung ist der reinste Irrsinn. Vor mir auf der linken Spur steht plötzlich ein rechts blinkendes Auto. Ich erkenne, dass die Motorhaube offen ist und dass die Warnblinkanlage aktiviert ist, aber der Blinker links hinten ist kaputt. Ich zwänge mich auf die mittlere Spur, um vorbei zu kommen - eine Panne an dieser Stelle ist der Stoff, aus dem Alpträume sind. Auf den Wegweisern tauchen nun Nancy und Metz auf, das hilft mir bei der Orientierung. Endlich entferne ich mich wieder von Paris, und der Stau löst sich auf. Das Navi führt mich auf die Nationalstraße N4. Eigentlich hätte ich erwartet, dass alle paar Kilometer eine Parkmöglichkeit kommt, wie ich es während der Anreise in die Bretagne gesehen habe, aber ausgerechnet auf der N4 fehlen die Rastplätze. Ich nehme schließlich eine Ausfahrt und gelange ins Dorf Chatres, wo ich anhalte, um mich in der Karten-App zu orientieren. Ich suche in Park4night einen Übernachtungsplatz in der Nähe. Ein kleiner Parkplatz beim Friedhof des Dorfs Nesles in 17 km hat überwiegend gute Kommentare bekommen. Ich stimme diesen Park4night-Usern zu - es ist ein guter, ruhiger Platz, wo man vom einzigen Nachbarhaus durch eine hohe Hecke völlig abgeschirmt ist.


Fürs Abendessen verarbeite ich die letzten drei Eier aus dem Kühlschrank zu Eierspeise.


Mein Weg durch Vitre:


Meine Route:



Kilometerstand: 5476 km (392 km gefahren).