In der Nacht hat sich ein Schweizer Kastenwagen neben Ludwig Junior gestellt. Am Morgen ist der Himmel größtenteils bewölkt bei 17 Grad.
Heute fahre ich aufs Timmelsjoch. Kurz vor 9 Uhr breche ich auf. Im Gegensatz zur österreichischen ist die italienische Seite mautfrei. Ein paar Autos und Motorräder kommen mir bereits entgegen. Die Straße ist gut ausgebaut und zweispurig. Lästig sind die Radfahrer, die sich den Berg hinauf quälen, wenn man an einer Stelle auf sie aufläuft, wo man nicht weit genug sieht, ob man überholen kann - wegen der vielen Kurven gibt es zahlreiche solche Stellen. Leider wurde darauf vergessen, Plätze zum Halten anzulegen. Die erste ordentliche Möglichkeit dazu ergibt sich beim Gasthaus Saltnuß in 1670 m Seehöhe.
Jetzt kommen öfter Haltemöglichkeiten, aber die nächsten drei bieten keine Aussicht. Der Gasthof Schönau ist wegen Betriebsferien geschlossen.
Bei der Timmelsbrücke stoppe ich bei der Bushaltestelle. Gleich hinter der Kurve gibt es aber eine Parkmöglichkeit, ...
Es folgen einige enge Serpentinen, bis auf eine meistere ich sie aber im 2. Gang. Beim Weg zur Glaneggalm treffe ich erstmals auf ein Stückchen Schnee, der jedoch demnächst schmelzen wird. Ein Fahrverbotsschild untersagt die Weiterfahrt zwischen 20 und 7 Uhr.
Um 11 Uhr erreiche ich den höchsten Punkt der Straße (2474 m, auch wenn ein Schild 2509 m behauptet). Es weht starker kalter Wind, sonst würde man es im T-Shirt aushalten. Ich mache einen Rundgang und dann gleich noch einmal, weil mir einfällt, dass ich den Weg in Komoot dokumentieren sollte (beim zweiten Mal ist eine Gruppe Lotus-Fahrer eingetroffen).
Dort wo ich zuvor das ungewöhnliche Auto fotografiert habe, mache ich Mittagspause. Hier ist es praktisch windstill. Ich esse Brote mit Mortadella und Käse bei einer herrlichen Aussicht.
Nach dem Essen sollst du ruh'n - oder 1000 Schritte tun. Ich tue letzteres, aber nicht 1000, sondern 6394. Von der Timmelsbrücke wandere ich zur Timmelsalm. Auf einem unbefestigten Fahrweg geht es stetig bergauf. Die Alm ist schon in Sicht, als ich an einigen Rindern vorbeikomme, die rechts vom Weg fressen oder wiederkäuen. Ich weiche auf die Wiese auf der linken Seite aus.
Am Rückweg erhebt sich ein Rindvieh und starrt mich bedrohlich an. Ein anderes setzt sich in meine Richtung in Bewegung, und noch eines, und noch mehr - ich habe den Eindruck, sie möchten mir den Weg abschneiden. Ich gehe ohnehin schon 15 m neben dem Fahrweg übers Gras und vergrößere diesen Abstand noch. Die Kuhglocken der mich verfolgenden Tiere klingen sehr bedrohlich. Werden sie lauter? Nähern sich die Verfolger? Soll ich anfangen zu laufen? Da - vor mir verläuft der Zaun. Ich bringe mich auf der anderen Seite des Tors in Sicherheit und atme auf - gerade noch einmal mit dem Leben davon gekommen! Ich glaube, die Rinder planen einen Aufstand. Sie wollen es sich nicht mehr gefallen lassen, von den Menschen gegessen zu werden.
Bei der Rückfahrt nach St. Leonhard in Passeier biege ich in Moos in Passeier in ein Seitental ein und fahre auf einer gut ausgebauten, wenig befahrenen Straße bis ans Talende. Das Dorf Pfelders liegt in 1600 m Seehöhe. Am Dorfanfang befinden sich große kostenpflichtige Parkplätze (60 Minuten gratis, dann pro Stunde 1 Euro, max. 6 Euro pro Tag).
Die kostenlose Parkzeit reicht locker für eine Besichtigung (inkl. WC-Besuch) des Dorfs, das nur aus Hotels und Restaurants sowie einer kleinen Kirche und einer Kabinenbahn zu bestehen scheint. Ich frage in der Touristen-Info, ob man im Auto übernachten darf. An sich nicht, meint die Dame, da es in zwei Kilometern Entfernung einen Campingplatz gibt (der in Park4night sehr gute Bewertungen bekommen hat, aber wie wohl alle Südtiroler Campingplätze nicht billig ist). Aber da man ein Auto rund um die Uhr auf den Parkplätzen abstellen darf, würde sich wohl niemand aufregen, sofern man kein Campingverhalten zeigt. Sie empfiehlt mir, den Parkplatz unten bei der Seilbahn zu verwenden, da habe man am meisten Ruhe. Ich vermute, dass man für die Nacht zwei Tagesgebühren, also 12 Euro bezahlen müsste.
Um 17:15 bin ich wieder in St. Leonhard in Passeier in ca. 700 m Seehöhe, wo ich mir zunächst ein Schattenplätzchen bei der Sportarena suche, um später zu meinem Stamm-Übernachtungsplatz zu wechseln.





































