Freitag, 19. Juni 2026

Slowenien und Norditalien, Tag 31 (Freitag, 19.6.3026): Stilfserjoch

Ich stehe heute früher auf und verlasse den Stellplatz beim Nationalpark-Zentrum im Martell-Tal bereits um 7 Uhr. Die deutschen Nachbarn im VW Bulli schlafen noch. Die Temperatur beträgt 14 Grad.


Es soll ein heißer Tag werden - also das fast optimale Wetter, um so hoch wie möglich in die Berge zu fahren ("fast optimal" deshalb, weil starke Gewitter nicht auszuschließen sind). Der höchste Pass in der Gegend ist das Stilfserjoch (2757 m), der zweithöchste Gebirgspass der Alpen. Ich war hier vor fast 6 Jahren schon einmal, wobei ich die anstrengende Fahrt mit Ludwig van Tourer meinem Bruder überließ (enge Straße, 48 Kehren (von oben nach unten durchnummeriert, was beim Hinauffahren einen Countdown ergibt), die nur im ersten Gang zu fahren sind). Mit Ludwig Junior ist es etwas einfacher. Ich bin so früh unterwegs, dass noch wenig Verkehr (vor allem kaum Gegenverkehr) ist. Als ich nach einem Fotostopp in einer Kehre weiterfahren will, rutscht ein Motorradfahrer in der Kurve (in der eine feine Schicht Sand liegt) aus. Er bleibt unverletzt. Ich helfe ihm (vom Dialekt her entweder Österreicher oder Südtiroler), das Motorrad aufzurichten. Er will schon weiterfahren, als ich bemerke, dass seine Maschine etwas Flüssigkeit verliert (Öl? Benzin? Bremsflüssigkeit?), deshalb schieben wir das Motorrad auf den Schotterplatz. Ich fahre weiter und erreiche wenig später den Pass mit großen kostenlosen Parkplätzen.









Den Aufstieg auf die Dreisprachenspitze (2843 m), wo Südtirol, die Lombardei und die Schweiz aufeinander treffen, habe ich 2020 bereits unternommen. Heute wandere ich weiter bis zum Goldsee. Anfangs ist der Weg sehr leicht zu gehen, aber als ein langer steiler Hang zu queren und der Pfad meistens nur 50 cm breit ist, bemühe ich mich, nur auf den Boden bzw. auf den nach oben führenden Hang zu blicken. An einer Stelle liegt noch Schnee, dort ist es durch das Schmelzwasser ziemlich rutschig und dadurch nicht ungefährlich. Der Goldsee führt nach dem trockenen Winter nicht viel Wasser. Ich kehre zur Passhöhe zurück und marschiere zu einem Aussichtspunkt beim Gasthaus Tibet-Hütte.


















Es ist 11:30. Ich setze mich in eine Pizzeria und esse zu Mittag. Die Pizza Prosciutto kostet 9 Euro. Für 0,33 Liter Cola Zero bezahle ich 3,50 Euro.


Danach setze ich mich ins Auto, schreibe den Blog und überlege die weitere Reise. Würde sich der Parkplatz am Stilfserjoch in Südtirol befinden, wäre er wahrscheinlich gebührenpflichtig und gäbe es ein Nachtparkverbot (oder das Übernachten würde um die 50 Euro kosten). Ich beschließe, dass ich heute am Pass schlafen werde. Ich weiß nicht, ob die Autoterm-Dieselheizung hier funktioniert (laut Bedienungsanleitung beträgt die Arbeitshöhe bis zu 2500 m), aber bei der derzeitigen Hitzewelle sollte die Temperatur nicht so tief sinken, dass ich die Heizung unbedingt brauche. 
Laut Regenradar wird es demnächst zu regnen beginnen. Ich fahre die Passstraße auf der Westseite hinunter nach Bormio, um meine Lebensmittel-Vorräte zu ergänzen. Auf dieser Seite ist die Straße breiter, und die Serpentinen sind weniger eng. In Bormio in ca. 1200 m Seehöhe beträgt die Temperatur 33 Grad. 





Beim Supermarkt ist genau eine Parzelle frei (es gäbe aber auch eine Tiefgarage).


Als ich den Einkauf verstaue, fallen ein paar Regentropfen. Ich suche in Park4night einen Gratis-Parkplatz in Bormio, aber der Weg dorthin ist wegen einiger Verkaufsstände gesperrt. Auch der Versuch, dieses Hindernis großräumig zu umfahren, bringt mich wieder zur gleichen Sperre. Ich wähle daher einen Parkplatz  im Nachbarort Molina (der sich auch zum Übernachten - auch mit einem WoMo bis sechseinhalb Meter Länge - gut eignen würde). Mir fällt erst jetzt ein, dass ich mich in der Nähe der Schweiz befinde. Um nicht eine hohe Telefonrechnung zu bekommen, stelle ich das iPhone um, dass es den Mobilfunk-Provider nicht mehr automatisch wählt.


Da meine Kühlbox so voll ist, dass ich sie kaum schließen kann, esse ich mein Abenddessert (Joghurt, Brombeeren und Walnüsse) bereits jetzt. Bis auf ein paar Tropfen dann und wann scheint sich die Regenzone verzogen zu haben. 


Es ist 16 Uhr. Es regnet jetzt leicht, und es donnert. Ich hatte überlegt, zum See Lago di Cancano zu fahren, aber dafür passt jetzt das Wetter nicht mehr. Ich entscheide mich dafür, heute Frühschluss zu machen und gleich meinen Übernachtungsplatz oben am Stilfserjoch anzusteuern. Bei leichtem Nieseln fahre ich los. Am Pass ist es bewölkt, aber es regnet nicht. Das Thermometer zeigt 18 Grad an. Die Parkplätze sind schon weitgehend leer.


Mein Abendessen: Baguette mit Mortadella und Käse.


Meine Wanderung am Stilfserjoch:


Meine Route:



Kilometerstand: 4100 km (103 km gefahren).