Sonntag, 15. Juni 2025

Spanien, Tag 55 (Sonntag, 15.6.2025): UNESCO-Welterbe Las Medulas

Nach einer vollkommen ruhigen Nacht am Stellplatz in San Xoan de Rio benutze ich am Morgen die V+E-Station, um Urinkanister und Grauwassertank zu leeren und den Wassertank zu füllen. Außerdem kommt der Besen zum Einsatz. 


Außer Ludwig steht nur ein spanisches Wohnmobil hier (es ist aber unbewohnt und gehört wahrscheinlich einem Ortsbewohner). Die Temperatur ist auf 12 Grad gesunken. Es ist neblig, aber sobald die Sonne die Hochnebeldecke auflöst, soll der Himmel wolkenlos sein.


Das Landesinnere von Galicien ist dünn besiedelt. Ich fahre auf einer eineinhalbspurigen Straße und treffe auf 15 Kilometern nur eine Handvoll PKWs. Als ich kurz für ein Foto halte, sehe ich im Ducato-Infodisplay die Meldung "Motoröldruck ungenügend". Das erinnert mich daran, dass ich den Ölstand kontrollieren und Motoröl nachfüllen muss.


Da die Meldung sofort wieder verschwindet und das Öllämpchen nicht leuchtet, wage ich es, noch etwas weiter zu fahren. Die Straße führt nun bergab. In San Clodio finde ich einen ebenen Parkstreifen, wo ich die Wartungsarbeiten erledigen kann. Tatsächlich liegt der Ölstand unter der Minimalmarkierung des Messstabs. Ich fülle einen Liter Öl ein. Vor einem Jahr in der Bretagne bin ich 6600 km gefahren, ohne dass es notwendig war, Öl nachzufüllen, aber die Bretagne ist viel flacher als Nordspanien. Ich muss mir angewöhnen, künftig den Ölstand alle 4000 km zu kontrollieren.


Weiter geht es auf einer zweispurigen Hauptstraße (wie oft in Spanien mit dreispurigen Abschnitten) durch das Tal des Rio Sil. Anfangs sind die Berghänge mit Bäumen bewachsen, die später immer mehr durch Büsche ersetzt werden. 


Ich biege rechts ab und folge den Wegweisern mit der Aufschrift "Las Medulas" - so heißt ein Dorf, aber auch die Gegend wird so genannt. Am Parkplatz aus einem Wohnmobil-Reiseführer sind mittlerweile nur noch PKWs erlaubt, aber 200 m davor gibt es einen großen Schotterparkplatz, wo man auch übernachten darf.


Es ist 12 Uhr. Ich esse Brote mit Mortadella und Käse.


Man kann hier verschiedene Wanderungen machen. Ich suche in Komoot eine kurze Tour (rund 6 km), ziehe die anderen Schuhe (die ohne Löcher in den Sohlen) an und mache mich um 12:30 Uhr auf den Weg. Zwischen dem Grün der Pflanzen sind rötliche Felsen zu sehen. Es handelt sich um kein natürliches Phänomen, sondern um eine Umweltsünde der Römer, die hier im 1. und 2. Jahrhundert Gold förderten. Dazu bauten sie ein umfangreiches Kanalnetz. Das durch die Kanäle hertransportierte Wasser leiteten sie in Tunnel, bis das darüber liegende Gelände einbrach. Meine Wanderung bringt mich zur Höhle La Cuevona, vermutlich der Eingang einer Mine (wegen Steinschlaggefahr darf sie nicht betreten werden, auch einige Wege in der Umgebung sind gesperrt). Las Medulas gehört seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Auf dem Rückweg begegne ich - wohl zum letzten Mal - den Schweizern mit dem La Strada Kastenwagen (dass er heute nicht direkt neben Ludwig parkt, liegt wohl nur daran, dass dort schon andere Autos stehen).








Ich möchte zum Mirador de Orellan fahren, doch zwei Kilometer davor wurde ein neuer Parkplatz für Busse und Wohnmobile angelegt, die nicht mehr weiter fahren dürfen (die Durchfahrt durch Orellan soll sehr eng sein). Der Weg zum Aussichtspunkt wäre von La Cuevona aus weniger weit gewesen. Ich verzichte auf den Mirador - das ist ein guter Grund, bei einer weiteren Nordspanien-Tour (entlang des Jakobswegs abseits der Küste, eventuell kombiniert mit Madrid und Umgebung) wieder her zu kommen und dann auch eine längere Wanderung am Morgen oder am Abend zu unternehmen.


Im WoMo-Reiseführer sehe ich das Foto der Puente de los Peregrinos (Pilgerbrücke) in Molinaseca, darum gebe ich diesen Ort (der übrigens auch mit dem Prädikat "Schönstes Dorf" ausgezeichnet wurde) als Ende der nächsten Etappe ein. Tomtom führt mich durchs Zentrum von Ponferrada, vorbei an der Tempelritterburg.


Ich gehe zur Brücke (wo man im Fluss baden kann) ...


... und durch die Calle Real ...


... bis zu einem Steinkreuz ...


... und zur Statue eines Pilgers. Damit bin ich auf einem Teilstück des hiesigen Jakobswegs gepilgert.


Die Temperatur beträgt 28 Grad (in Ludwig 33). Da trifft es sich gut, dass es nun auf 1504 m Höhe hinauf geht: auf den Pass Puerto de Foncebadon. Die zweispurige (eigentlich eineinhalb, denn die Spuren sind schmal), wenig befahrene Straße windet sich die Berge hinauf. 


Die Fahrt durch das Dorf El Acebo ist nur für Fahrzeuge freigegeben, die niedriger als 3 m sind, aber auch mit Ludwig muss ich vorsichtig sein, denn einige tiefhängende Balkone verschmälern die eh schon schmale Gasse noch mehr. Am Pass gibt es einen großen Schotterparkplatz sowie Picknicktische. Es ist fast 17 Uhr. Die Temperatur beträgt angenehme 23 Grad. Das gefällt mir. Ich beschließe, auf dem Pass (wo auch ein Schweizer Kastenwagen - aber kein La Strada, sondern ein Clever - parkt) zu übernachten.


Hier befindet sich das Cruz de Ferro, ein auf einen Baumstamm montiertes Eisenkreuz auf einem Steinhaufen. Viele Pilger legen hier einen von zu Hause mitgebrachten Stein (oder Fotos, Briefe oder persönliche Gegenstände) ab. 


Ich fotografiere die kleine Kapelle ...


... und die Sonnenuhr, auf der man selbst den Zeigerschatten wirft.


Mein Abendessen: Tagliatelle mit Käsesauce, dazu Salat.


Mein Dessert: Himbeer-Nuss-Joghurt.


Meine Wanderung in Las Medulas:


Meine Route:



Kilometerstand: 5978 km (137 km gefahren).