Freitag, 4. Oktober 2024

Italien, Tag 30 (Freitag, 4.10.2024): In der Hochburg des organisierten Verbrechens

In der Nacht hat es leicht geregnet. Am Morgen ist es neblig bei 15 Grad.


Ich habe gestern in Komoot eine Wanderung gefunden, doch das Wetter passt dafür nicht. Ich fahre deshalb nur zu einigen Mülltonnen, um meinen Abfall zu entsorgen, und nehme danach die Straße via Santo Stefano in Aspromonte und Sant'Alessio in Aspromonte zur Küste. Bis auf einen holprigen Teil bei Sant'Alessio ist sie gut ausgebaut, wegen zahlreicher enger Serpentinen und auch sonst vielen Kurven kann ich aber nicht schnell fahren. Es sind kaum Autos unterwegs. In Villa San Giovanni führt mich Tomtom zum Fährhafen, wo jemand mein Ticket kontrollieren will. Es gelingt mir, ihm klar zu machen, dass ich keines habe und auch keines kaufen will, sondern in die City möchte. Er zeigt mir die Ausfahrt. Ich habe einen im Womo-Reiseführer erwähnten Stellplatz als Ziel eingegeben, der jedoch abgesperrt ist. Ich fahre die Uferstraße weiter und biege dann rechts ab, um zu wenden, komme dabei aber in eine schmale Gasse, wo ein Arbeiter die Kanalgitter zwecks Reparatur entfernt hat, so dass eine Weiterfahrt unmöglich ist. Also 50 m verkehrt zurück und dann mehrmals reversieren, um umzudrehen! Die nächste Gasse bringt mich durch Zufall fast zum Leuchtturm!


Ich mache ein paar Fotos (ist es in Italien eigentlich verboten, vom Militär betriebene Einrichtungen zu fotografieren?).


Der nächste Lidl befindet sich in Gallico Marina. Ich will gerade aufbrechen, als ein Google-Streetview-Auto vorbeifährt. Ich will es fotografieren, aber es ist schon wieder weg. Ich fahre los, da kommt das Google-Auto aus einer Seitengasse, die offenbar eine Sackgasse ist. Wieder schaffe ich es nicht, die Foto-App am Handy rechtzeitig aufzurufen. Und da taucht der Wagen zum dritten Mal auf - wieder eine Sackgasse! Dieses Mal kann ich ihn fotografieren. In ein paar Monaten muss ich nachschauen, ob Ludwig in Google Streetview zu sehen ist.


Ich hoffe, dass mich Tomtom aus dem Straßenlabyrinth lotsen kann (parallel lasse ich auch Google Maps auf dem Handy laufen). Ich erreiche die Straße entlang des Meeres und mache ein Foto von einer Fähre auf dem Weg nach Sizilien.


Tomtom und Google Maps führen mich zu einer Bahnunterführung, die für Ludwig zu niedrig ist. 100 m weiter vorn verlassen gerade Autos (inkl. LKWs und Busse) eine Fähre. Ich bin nicht sicher,  ob ich dorthin gegen eine Einbahn fahre, aber egal ... schnell hin und mich in die Kolonne der Autos von der Fähre hineinzwängen, dann brauche ich nur noch diesen zu folgen! So erreiche ich die Autobahn. Ich verlasse sie bei der Ausfahrt Gallico und muss mich durch das Verkehrschaos von in zweiter Spur parkenden Autos kämpfen, bis das erlösende Lidl-Logo vor mir auftaucht.


Natürlich stehe ich hinter Familie Murphy an der Kassa. Endlich komme ich an die Reihe. In Ludwig esse ich zwei Weckerl mit Schinken und Käse.


Reggio Calabria hat über 170.000 Einwohner, ist also eine Stadt, die man eher an einem Sonntag besuchen sollte, wenn weniger los ist. So lange möchte ich aber nicht hier in der Gegend bleiben, deshalb beschließe ich, die Fahrt durch den Wochentag-Verkehr zu riskieren. Von den in Park4night eingetragenen Parkplätzen kommen meines Erachtens nur zwei in Frage. Beide befinden sich nicht allzu weit von der Uferpromenade Lungomare entfernt. Ich befürchte, dass der nördliche Parkplatz eher für PKWs geeignet und tagsüber ziemlich voll ist, deshalb steuere ich den südlichen an. Es ist viel Verkehr und wegen einer Baustelle ein Stau, aber Tomtom macht auf dieser Fahrt keine Fehler. Der Parkplatz direkt am Meer und mit Blick auf Sizilien ist nur zu 20 Prozent voll. Bei einem Auto wurden die Fenster eingeschlagen, was ein ungutes Gefühl verursacht.


Der Kastenwagen mit Villacher Kennzeichen, den ich vor zwei Tagen in Zungri gesehen habe, steht auch da. Im Gegensatz zu Ludwig hat er keine Sicherheitsschlösser. Ich denke mir: wenn jemand einbrechen will, wird er eher das leichter zu knackende WoMo wählen. Also parke ich neben dem Villacher.


Die Besichtigung von Reggio Calabria ist recht einfach: man folgt der Uferpromenade in der einen Richtung und geht in der parallel verlaufenden langen Fußgängerzone zurück. Die Gebäude in diesen beiden Straßen sind nicht renovierungsbedürftig, was Reggio Calabria von vielen anderen süditalienischen Orten unterscheidet (in anderen Stadtteilen wird es wahrscheinlich anders ausschauen). Am Ufer weht starker Wind, darum ziehe ich die Weste an, die mir auf dem Rückweg in der windstillen Fußgängerzone zu warm wird (die Temperatur beträgt 24 Grad). Ich mache einen Abstecher zum Parkplatz im Norden des Lungomare und stelle fest, dass Ludwig auch dort einen Platz bekommen hätte (die Parzellen haben nicht alle die gleiche (kurze) Länge, und die Gestelle mit Solarkollektoren sind hoch genug). Im Dumont-Reiseführer wird ein Besuch des Museo Archeologica Nazionale empfohlen, deshalb kaufe ich um 10 Euro eine Eintrittskarte. Highlight sind zwei gut erhaltene Bronzestatuen, die 1972 im Meer entdeckt wurden. Man muss seine Taschen in ein Schließfach sperren, darf aber den Fotoapparat mitnehmen, wenn man durch eine Luftschleuse den Raum mit den Statuen betreten will. Auf dem Rückweg durch die eher leere Fußgängerzone komme ich an der Kathedrale vorbei, wo demnächst eine Veranstaltung (Hochzeit?) stattzufinden scheint. Ich gehe am Bahnhof vorbei und erreiche das Meer und bald auch Ludwig. Das Villacher WoMo ist nicht mehr da. Während ich raste und ein Eis schlecke, könnt ihr Fotos aus Reggio Calabria betrachten:















Ich überlege, ob ich a) hier übernachten, b) mich zum Parkplatz im Norden des Lungomare quälen  oder c) einen Parkplatz in einer anderen Stadt ansteuern soll. Ein französisches WoMo trifft ein. Die Insassen erzählen mir, dass sie die letzten drei Nächte hier geschlafen haben und es sehr ruhig war, da die PKWs am Abend wegfahren (das Auto mit den eingeschlagenen Scheiben steht schon länger hier). Da die Franzosen hier schlafen werden, werde auch ich in Reggio Calabria (laut Dumont-Reiseführer eine der Hochburgen des organisierten Verbrechens) übernachten. Später kommen noch ein deutscher Kastenwagen und ein WoMo nicht identifizierbaren Ursprungs dazu. Übrigens ist von hier der Ätna, ein UNESCO-Welterbe, zu sehen. Klarerweise mache ich während des Sonnenuntergangs Fotos des höchsten aktiven Vulkans Europas.






Mein Abendessen: Faschierte Laibchen (die letzten!) mit Salat.


Mein Weg durch Reggio Calabria:


Meine Route:



Kilometerstand: 3387 km (59 km gefahren).