Zunächst geht es 13 km zurück nach Permet, da ich dort gut parken kann und mehrere Lebensmittelläden gesehen habe. 3 große Ziegenherden kommen auf der Straße entgegen. In Permet stehen heute etwas mehr Autos entlang der Hauptstraße, so dass ich 150 m weiter als vor zwei Tagen fahren muss.
Ich gehe ins Zentrum, wo ich einen Vodafone-Shop finde. Da meine 21-Tage-Sim-Karte heute abläuft, verlängere ich das Datenkontingent. Bei der Raiffeisen-Bank ist der Bankomat außer Betrieb, aber bei der Tirana-Bank kann ich mit der Visa-Karte albanisches Geld abheben (es werden 700 Lek Gebühren verrechnet).
Auf dem Rückweg kaufe ich Bananen und in einer Bäckerei Brot. Danach wird ein Tankwart mit Arbeit und Trinkgeld versorgt. Ich habe in Komoot eine potenzielle Wanderung im Dorf Strembec gefunden, doch die Abzweigung führt in einem derart spitzen Winkel von der Straße weg, dass sie mit Ludwig aus Richtung Permet nicht zu schaffen ist. Einen Kilometer später könnte ich wenden, aber da die vor mir liegende Route eng, kurvenreich, in schlechtem Zustand und - trotz wenig Verkehr - sehr anstrengend sein soll, beschließe ich, heute keine Wanderung zu unternehmen. Stattdessen fotografiere ich Ludwig mit den Nemercka-Bergen im Hintergrund.
Der Womo-Reiseführer ist in Bezug auf diese Straße nicht aktuell. Kurvenreich stimmt zwar, und wenig Verkehr ist auch korrekt, aber die Straße wurde offenbar erst kürzlich neu gebaut. Sie verfügt über zwei vollwertige Fahrspuren, mit Ausnahme weniger Engstellen, beispielsweise bei Brücken. Die Landschaft jedenfalls ist sehenswert. Es macht Spaß, hier unterwegs zu sein. Nur Haltebuchten neben der Straße gibt es eindeutig zu wenige.
Hinter Carcove ist die Straße etwas älter, aber weiterhin gut - jedoch mit viel weniger Kurven. Kurz vor dreiviertel elf erreiche ich einen Rastplatz bei einer Brücke, wenige Kilometer vor dem Grenzübergang Tre Urat nach Griechenland. Auf den Bergen vor mir liegt der Drachensee, zu dem ich vor ein paar Jahren eine zweitägige Wanderung gemacht habe.
Die Straße, die bisher in südöstlicher Richtung verlaufen ist, dreht nun nach Norden. Kilometerweit begegne ich keinem anderen Fahrzeug, dafür aber einer Schafherde. Eineinhalb Kilometer vor Leskovik mache ich Halt ...
... und esse eine Dose Thunfischsalat.
Um 12:15 fahre ich weiter. In den Bergen links von mir gewittert es. In Leskovik beginnt die schlechte Straße, aber ganz so schlimm wie befürchtet ist sie nicht. Früher war sie wahrscheinlich nur vier Meter breit, doch sie wurde durchgehend auf beiden Seiten verbreitert, wobei aber die neuen Teile vorläufig nur geschottert sind. Es gibt relativ wenige Schlaglöcher, aber auch auf diese muss man aufpassen, deshalb schleiche ich meistens im zweiten Gang mit 15 bis 20 km/h dahin.
Als ich einen Brunnen bemerke, nutze ich die Gelegenheit, Ludwigs Wassertank zu füllen.
Danach folgen einige Abschnitte mit vielen Schlaglöchern, die mich auf Schrittgeschwindigkeit bis 10 km/h abbremsen. Mehrmals begegne ich bzw. überholen mich Gruppen von Motorrad-Touristen. Verwunderlich ist, dass ich keine Wohnmobile sehe (mit Ausnahme eines umgebauten LKWs mit der Aufschrift „Australia“ - ob es ihn tatsächlich von Down Under nach Albanien verschlagen hat?) - haben alle nach dem entsprechenden Kapitel im Womo-Reiseführer Angst vor dieser Route bekommen? Durch die Verbreiterung der Straße fällt der Stress, ständig auf entgegenkommende Autos und Ausweichstellen achten zu müssen, weg - man muss sich nur Zeit lassen, dann gibt es hier überhaupt kein Problem.
Fünfzehn Minuten, nachdem ich den vorigen Absatz geschrieben habe, werde ich eines Besseren belehrt: ein Clever-Kastenwagen schließt auf. Er scheint es eilig zu haben, also lasse ich ihn ziehen. Kurz vor 15 Uhr scheint das Gröbste überstanden zu sein. Ich lege eine kurze Pause ein.
Kurz vor halb vier treffe ich in Erseka ein. Die 4000-Einwohner-Stadt liegt auf 1000 m Seehöhe und ist die höchstgelegene Stadt Albaniens. Ich stelle Ludwig neben der Straße ab. Weiter vorn hat sich der Clever eingeparkt.
Ich vertrete mir die Beine und spaziere zur Fußgängerzone ...
... und zum großen Hauptplatz, ...
... wo sich u.a. ein Museum befindet.
Danach gehe ich in der Gegenrichtung stadtauswärts bis zum Märtyrer-Friedhof.
Um 16 Uhr fahre ich weiter (ebenso der Clever). Die Straße ist jetzt zwar auf der gesamten Breite asphaltiert, aber so holprig, dass nur Geschwindigkeiten zwischen 20 und 40 km/h vertretbar sind. Nur dem Clever-Fahrer scheint an seinem Auto wenig zu liegen, es verschwindet bald außer Sichtweite. Später sehe ich den Clever bei einem Restaurant - vielleicht waren die Insassen hungrig und haben sich deshalb so beeilt? Und dann... um 16:48... Hallelujah!!! Ich bin am Pass Qafa e Qarrit. Hier beginnt die gut ausgebaute Strecke.
Schon bald danach biege ich links ab, um einen Abstecher ins Dorf Vithkuq zu unternehmen. Aber nicht heute, denn oberhalb eines - zumindest bei Pocket Earth - namenlosen Sees befindet sich eine ebene Schotterfläche, die sich gut fürs Übernachten eignet.
In der Richtung, aus der ich gekommen bin, ist es sehr finster, es blitzt und donnert - das übliche Nachmittags- und Abendwetter in Albanien. Da mein 10.000-Schritte-Pensum noch nicht erfüllt ist, gehe ich mehrmals in der Nähe auf und ab, um mich bei Bedarf rasch in Ludwig in Sicherheit bringen zu können. Ich beobachte einen Hirten, der mit seiner Herde vorüberzieht.
Um 18 Uhr koche ich die erste Hälfte der zweiten Packung Weißwürste aus Griechenland, während der Regen aufs Autoblech prasselt. Die Außentemperatur ist auf 14,5 Grad gesunken und fällt weiter - immerhin befinde ich mich auf über 1100 m Seehöhe. Ich drehe für die Nacht den Thermostat der Heizung hoch.
Meine Route:
Kilometerstand: 3435 km (141 km gefahren).