Ich fahre noch einmal die mir schon bekannte Panoramastraße bis zur Abzweigung nach Radomire und dann weiter Richtung Kukes. Ich lasse mir Zeit (dann und wann lauert mitten im Asphalt ein Schlagloch auf unvorsichtige Autofahrer). Fast überall sonst würde ich laufend von anderen Autos eingeholt werden - auf dieser Strecke passiert mir das kein einziges Mal. Was mir allerdings abgeht, sind Abfalltonnen neben der Straße. Stattdessen komme ich an mehreren brauchbaren Stellplätzen vorbei, ...
... manchmal mit toller Aussicht.
Nach einem Kraftwerk rücken die Berge ein Stück enger zusammen.
Die Straße windet sich an den Berghängen entlang, immer wieder mal bergab und bergauf.
Eine Moschee lohnt einen Fotostopp.
Es liegt jetzt deutlich mehr Abfall am Straßenrand als in anderen Teilen Albaniens. Kein Wunder - über viele Kilometer sehe ich nur eine einzige Mülltonne, und die platzt aus allen Nähten. Vorbei am nicht in Betrieb befindlichen internationalen Flughafen erreiche ich Kukes. Die Stadt macht nicht den Eindruck, dass sich eine Besichtigung lohnt, aber ich entdecke einen Obstladen, und zweihundert Meter weiter kann ich Ludwig am Straßenrand abstellen.
Ich parke vor einem Möbelgeschäft. Der Verkäufer oder Eigentümer sieht meinen Fotoapparat. Er spricht mich an und zeigt mir in Google Maps ein sehenswertes Tal in der Nähe (an der Straße SH26). Ich denke mir, ein Abstecher dorthin kann nicht schaden. Zuerst gehe ich aber zum Obstladen. Dort zweigt eine schmale Gasse mit vielen weiteren Geschäften ab, die ihre Waren mehr im Freien als im Inneren anbieten.
Ich könnte Hühner kaufen, ...
... aber ich finde keine Bäckerei, und auch in zwei Minimärkten schaut es nicht nach Brot aus. Ich kaufe Bananen. Dann sehe ich 30 m vor Ludwig einen kleinen Supermarkt. Dort bekomme ich Brot (viel Auswahl gibt es nicht, nur eine einzige Sorte - vielleicht habe ich in den Minimärkten das entsprechende Regalfach übersehen).
Ich muss umdrehen und noch einmal das Stadtzentrum durchqueren, um die SH26 zu erreichen. Sie verläuft zuerst entlang der Autobahn in den Kosovo, aber es ist offensichtlich, dass sie bald in eine Schlucht abbiegen wird. Ein brauner Sehenswürdigkeiten-Wegweiser zeigt in diese Richtung.
Zwischen steilen, mehreren hundert Meter hohen Felswänden fahre ich durch die Schlucht. Leider gibt es keine Haltebuchten, aber da wenig Verkehr ist, bleibe ich kurz auf der Straße stehen und fotografiere durch die Windschutzscheibe.
Etwas später kann ich einen Stopp einlegen.
Da es fast 12 Uhr ist, mache ich kurz darauf bei schöner Aussicht Mittagspause und esse eine Dose Thunfischsalat. Es wäre jetzt wirklich an der Zeit, eine Mülltonne zu finden, denn ich fahre schon drei - zugegeben: kleine - Abfallsäcke spazieren.
Die Straße wird nun schmäler, ist aber immer breit genug, dass zwei Autos auch ohne Ausweichbucht (die es regelmäßig gibt) aneinander vorbei kommen.
Ich erreiche einen Parkplatz, ...
... wo ein Schild auf den Topojani-Wasserfall in 250 m hinweist. Der Weg dorthin führt über eine grüne Brücke.
Ich folge einigen Albanern am Bach entlang (wo sonst soll es einen Wasserfall geben?), da ich annehme, dass sie sich hier auskennen.
Als der Weg aber immer weniger wie ein Weg aussieht und immer abenteuerlichere Kletterei notwendig wird (und die 250 m längst absolviert sind), wird mir klar, dass wir hier falsch unterwegs sind.
Also zurück und einige Stufen hinauf ...
... und wieder hinunter, und da ist er: der Topojani-Wasserfall.
Es geht nun einige steile Serpentinen hinauf. Ich folge der Straße bis zum Dorf Shishtavec kurz vor der Grenze zum Kosovo.
Um 14:15 drehe ich um und fahre zurück. In anderen Reiseführern ist dieser Teil des Landes bestimmt enthalten, aber wer sich nur am Womo-Reiseführer orientiert, fällt um eine außerordentlich schöne Strecke um. Vielen Dank für den Tipp, Herr Möbelhändler!
Das Navi veranschlagt für 32 km nach Kukes eineinhalb Stunden Fahrzeit - offensichtlich kennt es die neu ausgebaute Straße nicht. Um 15:15 treffe ich hinter Kukes bei einem Restaurant mit Blick auf den Stausee ein. Es sieht nach Regen aus.
Ich werfe einen Blick in Park4night. In ein paar Kilometern gibt es ein Schotterplateau neben der wenig befahrenen Straße, das auch im Womo-Reiseführer als Stellplatz angeführt wird. Es ist zwar nicht ganz waagrecht, aber ich habe schon schiefer geschlafen.
Außerdem habe ich von hier einen Blick auf den Stausee und auf die nächste Regenzelle - bin neugierig, ob sie hierher zieht. Da mir noch 4000 Schritte fehlen, marschiere ich immer wieder 50 Schritte von Ludwig weg und zurück, um bei Bedarf rasch ins Innere springen zu können. Nach 2000 Schritten wird das notwendig. Ich schreibe den Blog fertig, sichere und bearbeite die Fotos und lausche dem Regen, der auf Ludwig prasselt. Ich koche Eierspeise mit Tomatensalat und sündige mit einer kleinen Packung Chips. Um 19:15 ist der Regen vorbei, und ich absolviere die restlichen 2000 Schritte.
Mein (Irr)weg zum Topojani-Wasserfall:
Meine Route:
Kilometerstand: 3945 km (122 km gefahren).