Donnerstag, 8. Juni 2023

Albanien und mehr, Tag 43 (Donnerstag, 8.6.2023)

Meine bisher längste Reise dauerte genau 6 Wochen (Portugal 2018). Ab heute stelle ich laufend neue Rekorde auf. Ich stehe um 7 Uhr auf. In der Gegend des Ohridsees kündigt sich wieder ein schöner Tag an. Ich muss jedoch weiter in den Norden und breche um 8:10 auf.


Nach einem Stopp bei einer Tankstelle fahre ich am See entlang. Die Strecke bis Lin ist mit Ludwig natürlich viel rascher absolviert als gestern mit dem Rad - aber längst nicht so gesund. Die Straße führt nun in mehreren Serpentinen einen Pass hinauf. Oben wartet Mutter Teresa (bzw. eine Statue von ihr) darauf, fotografiert zu werden (leider steht die Sonne schlecht).


Die Ausfahrt lässt mich nur in Richtung Tirana weiter fahren (das wäre allerdings ein großer Umweg; alle anderen albanischen Straßen in den Nordosten sind für Wohnmobile nicht geeignet, deshalb muss ich nach Nordmazedonien). Ich fahre den Pass hinunter und möchte bei einer Tankstelle umdrehen, aber dort beobachten zwei Polizisten den Verkehr. Ich will die Sperrlinie nicht überfahren - was jeder Albaner wahrscheinlich gemacht hätte - und setze den Weg bergab noch etwas fort, bis ich wenden kann. Ob sich die Polizisten wundern, dass ich schon wieder vorbei komme? Egal - am Pass biege ich links ab. Es geht noch weiter hinauf. Nach drei Kilometern ist der albanische Grenzposten erreicht und dahinter der nordmazedonische. Ich muss neben Pass und Zulassungsschein erstmals auf dieser Reise auch den internationalen Versicherungsschein herzeigen. Danach will ein anderer Beamter (der deutsch spricht) wissen, wohin ich fahre und ob ich Wein oder Zigaretten dabei habe. Er öffnet die Beifahrertür und die Seitentür, wirft einen Blick in Ludwig und wünscht dann gute Reise. Es ist 9:45 Uhr. Bei der nächsten Haltemöglichkeit stoppe ich, da ich vergessen habe, den e-Bike-Akku zum Aufladen anzuschließen.


An der Straße hinter der Grenze wird gebaut. Ich weiche zwei hässlichen Schlaglöchern aus. Dann geht es durch ein Stadtgebiet (es gibt Supermärkte mit Parkplätzen!) und anschließend an einem gestauten Fluss entlang durch bewaldete Landschaft. Ich nehme mir vor, bei der nächsten Möglichkeit für ein Foto zu halten. Diese Möglichkeit kommt bald und ist eine wilde Mülldeponie - etwas was mir in Albanien nie untergekommen ist (tatsächlich ist Albanien recht sauber, es gibt überall Mülltonnen am Straßenrand, und die Müllabfuhr ist sogar an Sonntagen unterwegs).


Etwas später kann ich den Fluss doch noch fotografieren.


Bald danach erreiche ich die Staumauer.


Ein weiterer Stausee - und wieder viel Abfall in der Haltebucht, wenngleich nicht so schlimm wie am vorvorletzten Bild.


Hinter Debar mache ich ein Blumenfoto ...


... und bin um 12 Uhr wieder in Albanien (ich frage mich, warum der nordmazedonische Beamte bei der Ausreise den Versicherungsschein sehen will), wo ich einen Mittagssnack verspeise.


Wie im Womo-Reiseführer angekündigt, ist die Straße nach Peshkopi holprig und schlaglochübersät (was den albanischen Autofahrern ziemlich egal zu sein scheint). Statt 15 Minuten für 12 km brauche ich doppelt so lange. Die Koordinaten für eine Parkmöglichkeit dürfte das Navi wieder einmal eigenmächtig geändert haben, denn plötzlich befinde ich mich in einem Gewirr enger Gassen. Ich habe keine Lust auf eine Besichtigung (vom Durchfahren her wirkt die Stadt wenig sehenswert), zumal über dem nahen Berg eine dunkle Gewitterwolke hängt - ich will nur noch aus Peshkopi raus. Auf der anderen Stadtseite ist die Straße fast genauso mies. Endlich gerate ich auf eine besser ausgebaute Straße, wo ich zum Verschnaufen anhalte. Donner ist zu hören. Die Temperatur beträgt schwüle 28 Grad.


In wenigen Kilometern soll laut Womo-Reiseführer ein Partisanendenkmal mit Übernachtungsmöglichkeit kommen. Das Navi sagt, ich sei am Ziel eingetroffen, jedoch ist weit und breit kein Denkmal zu sehen (das taucht erst zwei Kilometer später auf - eindeutig ein Fehler der Navi-Software, denn Google Maps zeigt mit den gleichen Koordinaten die korrekte Position an). Auf den ersten Blick sehe ich keine geeignete Parkfläche. Ich fahre eine kürzlich neu asphaltierte Straße, die zu einem Dorf führt, hinauf, und sehe einen Platz, der offenbar gelegentlich für Picknicke verwendet wird (es liegen ein paar Plastikflaschen und Zigarettenschachteln herum).


Ich spaziere zum Denkmal hinunter. Man könnte direkt neben der Hauptstraße (wo sehr wenige Autos unterwegs sind) stehen. Außerdem beginnt hier ein Feldweg, wo ich nach 100 m ebenfalls einen geeigneten Platz für eine Übernachtung entdecke.


Ich kehre zu Ludwig zurück und gehe auf der neu asphaltierten Straße weiter. Hinter einer Kuppe befindet sich ein weiteres Denkmal. 


Hier ist man von der Hauptstraße aus nicht mehr zu sehen, deshalb beschließe ich, diesen Ort als Stellplatz für die Nacht zu verwenden.


Um mein 10.000-Schritte-Ziel zu erfüllen, gehe ich ein paarmal die Straße entlang (etwas weiter oben grasen drei Pferde) ...


... und wieder zurück (aber nicht zu weit, falls eine der Regenzonen sich in meine Richtung bewegen sollte).


Es bleibt trocken. Die Regenwolken verziehen sich, und um 17 Uhr scheint wieder die Sonne. Ich setze mich neben Ludwig ins Freie. Ich befinde mich auf über 900 m Seehöhe.


Zum Abendessen koche ich Bratwürste und Tomatensalat.


Bald geht die Sonne unter.


Meine Route:



Kilometerstand: 3791 km (147 km gefahren).