Gesagt - getan. Ich richte mich für die Fahrt her. Da ich in Albanien nicht mehr tanken muss, kann ich im Bauern-Laden noch etwas einkaufen. Um 8:40 fahre ich los und bin eine Stunde später an der Grenze. Leider wartet vor mir eine Autoschlange. Erst um 10:15 habe ich den albanischen Grenzposten passiert. Noch drei liegen am heutigen Tag vor mir. Grenzen sind etwas derart Unnötiges!
Dann bemerke ich, dass das schon der montenegrinische Grenzposten war - albanischen gibt es hier offenbar gar keinen. Im Gegensatz zur Fahrt nach Albanien umfahre ich dieses Mal die enge, schlechte Straße, die das Navi und auch Google Maps vorschlagen, indem ich Ulcinj als Ziel eingebe. Das sind zwar mehr Kilometer, aber auf einer guten Straße.
Auf der Küstenstraße in Montenegro ist oft viel los, insbesondere in Budva, wo ich in einen Stau gerate. Zum Glück löst er sich bald auf (in der Gegenrichtung ist er ziemlich lang). Ein paar Kilometer später mache ich um 12:45 neben der Straße Pause für einen Mittagssnack.
Laut Navi ist man 25 Minuten früher in Dubrovnik, wenn man die Fähre bei der Bucht von Kotor nimmt. Ich weiß aber nicht, ob da die Wartezeit und die Überfahrt berücksichtigt sind. Ich beschließe, um die Bucht herum zu fahren. Um 13:20 breche ich wieder auf. Noch 102 km bis Dubrovnik (mit Fähre wären es 80).
Wenig später wird klar: die Strecke um die Bucht herum war ein Fehler. In einem Tunnel steht ein LKW und hat die Warnblicker eingeschaltet. Wenn in der Gegenrichtung wenig Verkehr ist, deutet der Fahrer mit einer Taschenlampe, dass man an ihm vorbeifahren soll. Ich mache das - und stecke gleich darauf mitten im Tunnel im Stau. Alle paar Minuten geht es einige Wagenlängen weiter, während in der Gegenrichtung ständig Autos fahren. Da offenbar nur meine Spur betroffen ist, frage ich mich, warum die Polizei die Gegenrichtung nicht so lange sperrt, bis wir den Tunnel verlassen können. Nach fast einer halben Stunde fährt ein Polizeiauto mit Blaulicht an der Kolonne vorbei (was nicht leicht ist, weil - wie erwähnt - laufend Autos in der Gegenrichtung durch den Tunnel fahren).
Endlich sehe ich Tageslicht (wegen einer Kurve erst rund 150 m vor dem Tunnelende).
Nach einer Dreiviertelstunde bin ich endlich wieder im Freien - und kann ein Foto von Kotor schießen ;-)
Die Verkehrslage wird auch jetzt nicht besser. Von Seitengassen drängen sich Autos in die Fahrspur. So etwas wie das Reißverschlusssystem kennt man in Kotor nicht. Ich lasse eine kleine Lücke, damit entgegenkommende Autos links abbiegen können, aber das hat nur zur Folge, dass ein Wagen hinter mir mich überholt und damit die Lücke wieder schließt - was den Stau noch schlimmer macht. Irgendwann passe ich mich an und mache es wie die Montenegriner.
Und dann (nach mehr als zwei Stunden) habe ich plötzlich wieder freie Fahrt - der Stau hat sich aufgelöst, als hätte es ihn nie gegeben. Während ich anfangs geglaubt habe, es müsse ein Unfall passiert sein, bin ich nun der Ansicht, dass es sich einfach um das übliche Verkehrschaos in Kotor gehandelt hat. Wie dem auch sei: ich habe so viel Zeit verloren und kenne auch die Situation an der Grenze nicht, dass ich ohne einen einzigen Fotostopp die Bucht umrunde (anfangs gibt es keine Möglichkeit zu halten, aber wenn man sich von Kotor entfernt, sind auf der Meeresseite öfters kleine Schotterflächen oder auch offizielle Parkplätze, von wo man freie Sicht hat - man sollte die Bucht unbedingt im Uhrzeigersinn umfahren, weil man sich dann mit dem Stehenbleiben sehr viel leichter tut). Im Nachhinein ist man immer schlauer: ich hätte ruhig ein, zwei Fotos machen können, denn erstens ist an der Grenze überhaupt nichts los (sowohl der montenegrinische als auch der kroatische Beamte schauen nur kurz den Pass an und winken mich weiter), und zweitens schaffe ich es bis Lokvicici bei Tageslicht sowieso nicht mehr. Ich halte kurz nach halb sechs beim Lidl vor Dubrovnik (hier hat es kürzlich stark geregnet, wie ich an großen Wasserlachen erkenne), kaufe Eis und studiere die Reiseführer und einige Apps.
Wenn ich nun schon in der Gegend von Dubrovnik übernachten muss, will ich das gleich mit einer Stadtbesichtigung verknüpfen (allerdings könnte es morgen noch regnen - ich werde mich überraschen lassen). Der einzige Campingplatz in Dubrovnik ist sauteuer, aber in Mlini gibt es zwei kleine, von denen aus man mit dem Bus oder per Boot nach Dubrovnik gelangen kann. Ich fahre zu Camping Kate (es regnet jetzt) und bekomme dort den letzten freien Platz.
Zum Abendessen verspeise ich die letzten albanischen Bratwürste und Tomaten.
Meine Route:
Kilometerstand: 4527 km (nur 244 km gefahren - es ist mir mindestens doppelt, wenn nicht dreimal so viel vorgekommen).