Ich stehe heute schon um 5:30 auf. Am Stilfserjoch ist es bewölkt bei 8 Grad. Ein Kastenwagen, ein kleinerer Camper und mehrere PKWs (ich glaube nicht, dass in allen jemand schläft) haben die Nacht hier verbracht.
Um 6:15 Uhr breche ich auf, um die Ostroute bergab zu fahren. Um diese Zeit ist noch sehr wenig Verkehr (hauptsächlich Radfahrer, außerdem ein paar Motorräder und Autos), dadurch lässt sich die Strecke ohne Stress bewältigen. Auf der Schotterfläche bei Kehre 1 haben vier weitere WoMos über Nacht geparkt.
Im WoMo-Reiseführer sehe ich, dass man in Gomagoi in ein Seitental abbiegen kann. Ich folge der meist zweispurigen Straße bis zu ihrem Ende im Dorf Sulden am Fuße von Bergen, die teilweise fast 4000 m hoch sind (der höchste dürfte der Ortler mit 3905 m sein). Die Seilbahn am Talschluss fährt nicht, der Sommerbetrieb startet am 25.6. Im Ort ist Campieren verboten, aber mit Ludwig Junior würde man am Parkplatz der Seilbahn wahrscheinlich nicht auffallen.
Ich fahre nochmals zur Seilbahn, denn dort ist ein guter Platz, um das Mittagessen zu kochen (und außerdem ist das WC der Seilbahn offen, was ich sehr nett finde).
Es gibt Käsespätzle mit drei Sorten Spätzle und dazu Eisbergsalat.
Ich verlasse das Suldental. In Prad am Stilfserjoch mache ich einen Abstecher zur St. Johann-Kirche aus dem 13. Jahrhundert.
Das nächste Ziel ist das Matschtal. Bis zum Dorf Matsch ist die Straße breit, danach geht es einspurig weiter (aber mit vielen Ausweichstellen, und man sieht weit voraus, ob Gegenverkehr kommt).
Die Straße endet beim Glieshof. Es handelt sich um ein beliebtes Wandergebiet, denn der Parkplatz ist ziemlich voll.
In Laatsch gibt es eine ungewöhnliche Kirche, unter der ein Teil der Straße durchführt. Ich sehe in der Nähe keine Möglichkeit zu halten, darum nachfolgend ein Foto aus dem WoMo-Reiseführer (mittlerweile versperren allerdings Blumentröge die Durchfahrt unter der Kirche).
Taufers im Münstertal (nicht ganz 1000 Einwohner) ist die westlichste Gemeinde Südtirols. Wenige Kilometer weiter befindet sich Müstair in der Schweiz, womit der Kreis zur gestrigen Tour geschlossen ist.
Ich fotografiere die Fresken im Kirchlein St. Johann.
Das angrenzende Gebiet in der Schweiz ist ziemlich Wohnmobil-unfreundlich. Wir sind deshalb bei unserer Schweiz-Rundfahrt 2020 für eine Übernachtung nach Glurns ausgewichen. Inzwischen ist diese Gegend Südtirols auch nicht gerade camperfreundlich, ich sehe eines der üblichen Südtiroler "Campieren verboten"-Schilder (gültig fürs ganze Stadtgebiet). Der Parkplatz ist durch ein Zusatzschild auf PKWs eingeschränkt. Lustigerweise kann man am Parkscheinautomaten aber nach wie vor Wohnmobile auswählen (dann zahlt man 1 Euro pro Stunde statt 50 Cent zwischen 8 und 19 Uhr, maximal 8 bzw. 4 Euro pro Tag, und wenn man genug Geld einwirft, erhält man ein Ticket, das bis zum nächsten Vormittag gültig ist). Außerdem gibt es einen Parkplatz bei der Kirche, wo die Einschränkung auf PKWs fehlt.
Glurns ist die kleinste Stadt Südtirols (etwas unter 1000 Einwohner) und auf jeden Fall einen kurzen Besuch wert. Die Stadt ist komplett von einer gut erhaltenen Stadtmauer umgeben. Es ist heiß (30 Grad) und schwül, deshalb gönne ich mir ein hausgemachtes Eis um 4 Euro. Zufällig entdecke ich das Grab des Karikaturisten und Zeichners Paul Flora und finde heraus, dass er aus Glurns stammte.
Ich könnte jetzt zum Übernachten wieder aufs nahe Stilfserjoch fahren, aber Ludwig Junior hatte zuletzt genug Bergfahrten. Deshalb übernachte ich heute wieder beim Nationalpark-Zentrum im Martell-Tal, das 33 km entfernt ist.
Mein Abendessen: Brote mit Käse. Joghurt mit Walnüssen. Ohne Brombeeren (denn die sind - trotz Kühlung - leider schimmlig geworden und müssen entsorgt werden).

































