Das Navi schlägt eine Route über die Autobahn und durch Brünn vor, vor der mir Milan und Jana aber abraten. Ich fahre statt dessen auf Landstraßen, auf denen meistens wenig Verkehr ist. Wenn mich schnellere Autos einholen, bemühe ich mich, ihnen bald Platz zu machen, denn viele tschechische Autofahrer sind ungeduldig und überholen auch an wenig übersichtlichen Stellen. Einmal weist ein Verkehrszeichen darauf hin, dass die Straße in 1 km zur Sackgasse wird. Ich umfahre diese Baustelle großräumig. Kurz vor 10:30 erreiche ich den großen Parkplatz bei der Macocha-Schlucht. Die Parkgebühr für ein Wohnmobil ist doppelt so hoch wie für einen PKW, nämlich 100 Kronen (ca. 4 Euro). Die Kassierin spricht leider nur Tschechisch, aber ich denke, dass sie auf meine Frage geantwortet hat, dass Übernachten nicht erlaubt ist. Das ist verständlich, denn ich befinde mich im Landschaftsschutzgebiet Mährischer Karst.
Von einer Plattform aus kann man einen Blick in die Schlucht werfen.
Die Punkva-Höhle befindet sich in einem Tal rund hundert Höhenmeter tiefer. Dorthin gelangt man entweder mit einer Seilbahn (Tal- und Bergfahrt kosten 130 Kronen), oder man geht nicht ganz zwei Kilometer zu Fuß. Da ich genügend Zeit habe, wähle ich die zweite Alternative. Der Weg ist vom gestrigen Regen recht rutschig.
Um 12:20 beginnt die Führung. Meistens ist der Weg weitgehend eben, aber zwischendurch muss man auch mehrere Stockwerke über Stiegen hinauf und wieder hinunter steigen.
Die Führung ist in tschechischer Sprache. Zumindest die häufig vorkommenden Worte für Stalagmiten und Stalaktiten verstehe ich.
Beim Eingang konnte ich etwas von einer speziellen Fotoerlaubnis lesen, aber die gibt es nicht mehr, das Fotografieren ist ohne Zusatzgebühr erlaubt. Vielleicht liegt das an den vielen Handyknipsern, die man sowieso nicht vom Fotografieren abhalten kann.
Einmal gelangt man ins Freie. Man befindet sich hier am Grund der Macocha-Schlucht und kann weit oben eine Aussichtsplattform sehen.
Den Rückweg aus der Höhle legt man per Boot zurück - ...
... unterbrochen von einem Stopp, um noch einige besonders schöne Tropfsteine zu besichtigen.
Nach rund einer Stunde ist die Besichtigung (die 280 Kronen kostet, also nicht ganz 12 Euro) zu Ende. Ich beschließe, nicht den gleichen Weg zurück zu gehen, sondern folge der Straße zu einem anderen Parkplatz in Skalni Mlyn, von dem aus man mittels eines Touristenzugs zur Punkva-Höhle gelangen kann (wenn man nicht zu Fuß gehen möchte). Leider beginnt es nach eineinhalb Kilometern zu regnen (wie ich später in „Regenradar“ sehe, handelt es sich um ein schmales Regenband, das genau über mir nach Norden zieht).
Ich komme an der Katharinen-Höhle vorbei.
Von hier aus geht es durch den Wald rund 150 Höhenmeter bergauf.
Als ich bei Ludwig van Tourer ankomme, hört es zu regnen auf. Ich trockne mich ab, esse zwei Bananen, trinke fast einen Liter, schreibe den Blog und überlege, was ich als nächstes unternehme. Ich beschließe, ein paar hundert Meter zur zweiten Aussichtsplattform zu gehen, die ich vom Grund der Schlucht aus schon gesehen habe.
Danach fahre ich ein paar Kilometer zum kostenlosen Parkplatz der Balcarka-Höhle (zwar nur für Höhlenbesucher, aber dennoch übernachtungsgeeignet - man könnte die Höhle ja am nächsten Morgen besichtigen wollen). Rund sechs Kilometer weiter befindet sich in Sloup eine weitere Höhle, wo ebenfalls eine Übernachtung möglich ist. Der Parkplatz füllt sich aber immer mehr. Aufgrund einer Lautsprecherdurchsage vermute ich, dass dort heute eine Veranstaltung stattfindet. In der Nähe des Parkplatzes steht ein gewaltiger Felsblock, auf dem Kletterer unterwegs sind.
Ich spaziere ins Ortszentrum, wo eine große Kirche mit zwei Türmen errichtet wurde.
Leider ist sie geschlossen, so dass ich nur ein Foto durch die Glastür schießen kann.
Etwas weiter befindet sich hinter dem Friedhof ein großer, fast leerer Parkplatz, der sehr ruhig sein dürfte. Von angrenzenden Wohnhäusern wird man hier kaum gesehen. Ich beschließe, hier die Nacht zu verbringen. Als Abendessen verspeise ich Janas Lunchpaket (natürlich nur den Inhalt).
Meine Route (ohne den Umweg durch eine Baustelle irgendwo vor Tisnov):
Kilometerstand: 402 km (100 km gefahren).