Mittwoch, 15. Juni 2022

Tschechien, Tag 9 (Mittwoch, 15. Juni 2022)

Gestern abend ist noch ein Mini-Camper eingetroffen und hat sich auf die andere Seite des Parkplatzes gestellt. Die Scheiben sind mit Silberfolie abgedeckt, was sofort erkennbar macht, dass dort drinnen jemand schläft (bei Ludwig Junior brauche ich schwarze Verdunkelungen). Ich stehe um 7 Uhr auf, frühstücke und plane den heutigen Tag, der mit wolkenlosem Himmel begonnen hat. Beim Wegfahren sehe ich die Aufschrift auf dem Mini-Camper: es handelt sich um einen Citroen e-Jumpy aus Deutschland auf Testfahrt. Ich weiß nicht, wie viele Schnellladestationen es in dieser Gegend gibt, aber ich vermute, dass das Reisen mit einem Elektro-Camper sehr entschleunigt ist. Ich fahre nach Velke Losiny und zahle beim Automaten 20 Kronen für eine Stunde Parken. 15 Minuten wären kostenlos, aber das geht sich nicht aus.



Ich möchte nämlich die Papiermühle sehen, wo seit dem 16. Jahrhundert Büttenpapier hergestellt wird. Es handelt sich um ein nationales Kulturdenkmal und um einen Kandidaten fürs UNESCO-Weltkulturerbe, hat es bisher aber nicht auf diese Liste geschafft. Auf einen Museumsbesuch verzichte ich.



Mein nächstes Ziel stammt nicht aus Reiseführern, sondern aus der Zeitung, denn es wurde erst vor wenigen Wochen eröffnet: die Sky Bridge 721 in Dolni Morava (nicht weit von der polnischen Grenze). Der Straßenzustand der vom Navi vorgeschlagenen Route wechselt mehrmals zwischen gut und schlecht. Dolni Morava ist ein Wintersportzentrum, das mittlerweile auch im Sommer gut besucht ist. Als ich eintreffe, sind die Parkplätze noch wenig besetzt (das wird sich aber noch ändern). Unter allen Parkplatz-Schildern befindet sich ein zweites Schild mit einem durchgestrichenen Wohnmobil. Da ich nicht vermute, dass in diesem Ort auf das Geld von Womo-Fahrern verzichtet wird (zumal das Parken nichts kostet), gehe ich davon aus, dass damit das Übernachten, nicht aber das Parken bei Tag gemeint ist. Außerdem ist Ludwig van Tourer ein PKW und fällt in der Ecke ganz hinten kaum auf :-)



Vom Parkplatz muss man noch etwas mehr als einen Kilometer bergauf gehen, um den Sessellift zu erreichen.



Es gibt keine Kassen, sondern nur Terminals, wo man verschiedene Tickets auswählen kann und mit Karte bezahlen muss. Für die Sky Bridge werden pro 30-Minuten-Slot 500 Tickets angeboten, wobei derzeit bei weitem keine Gefahr besteht, dass alles ausverkauft ist. Der Preis kommt mir höher vor, als ich ihn in Erinnerung habe, und tatsächlich - wenn man übers Internet kauft und sich registriert, erhält man Rabatt. Ich buche daher am Handy das Kombi-Ticket „Bergfahrt mit dem Sessellift/Sky Bridge um 12:30/Sky Walk“ um 880 Kronen (knapp über 35 Euro).



Die Sky Bridge 721 ist die derzeit längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt (die Länge ist im Namen enthalten).



Sie wurde im Mai 2022 eröffnet.



Der größte Abstand zum Boden beträgt 95 m.



Die Brücke - die manchmal ganz leicht schwankt - darf nur in einer Richtung überquert werden.



Zurück kommt man auf einem Waldweg, ...



... wobei man mehrmals einen Blick auf die Brücke werfen kann. Dahinter ist der Sky Walk zu sehen.



Das letzte Wegstück kann man über eine Ski-Trasse abkürzen.



Ich gehe aber den längeren Weg und komme zu einer Rasthütte, wo ich zwei Müsli-Riegel verspeise. Die Berge im Hintergrund bilden wahrscheinlich die Grenze zu Polen.



Geht man an der Bergstation des Sessellifts vorbei, erreicht man bald den Sky Walk.



In nicht ganz kreisförmigen Kreisen (ein besserer Ausdruck fällt mir gerade nicht ein) wandert man ...



... bis ganz nach oben.



Dort ist ein betretbares Netz gespannt. Darunter befindet sich 55 m weit nur Luft. Ich steige für ein Foto darauf, aber nur sehr kurz - ich habe das Gefühl, dass ich das Gleichgewicht verliere.



Übrigens befindet sich in der Mitte des Sky Walks eine Röhre, in der Wagemutige nach unten rutschen können.



Den Berg hinunter fahre ich nicht mit dem Sessellift, sondern gehe per pedes. Der Weg ist steiler, als er am Foto aussieht. Leider habe ich meine Wanderstöcke zur Entlastung der Kniegelenke nicht dabei.



Morgen ist wieder Kultur angesagt (unter anderem möchte ich das Oskar-Schindler-Denkmal besichtigen). Ich suche in Park4night einen Übernachtungsplatz in der Gegend von Svitavy und werde in Ceska Trebova fündig. Der Parkplatz liegt in einer Sackgasse am Stadtrand und ist in Google Maps in der Luftbildaufnahme noch gar nicht zu sehen. Wenn ich die Fenster verdunkle und bei Ludwigs Seitentür hinausschaue, höre ich die Vögel zwitschern und habe das Gefühl, im Wald zu sein.



Zum Abendessen koche ich Grießschmarrn mit Sauerkirschenkompott. Das sind zwar zwei Portionen, aber da ich zu Mittag nur Müsliriegel gegessen habe, schaffe ich das.



Meine heutige Wanderung:



Meine Route:



Kilometerstand: 1063 km (104 km gefahren).