Nach ein paar Kilometern biege ich links ab und verlasse den Genfer See in nördlicher Richtung. Ein Aldi erinnert mich daran, dass das Wochenende bevorsteht und ich meine Vorräte ergänzen sollte.


In St-George mündet die Grand-Tour-Zufahrt aus Genf in den Grand-Tour-Rundkurs. Durch Wald geht es nun auf Pass Nr. 24 hinauf, den 1449 m hohen Col du Marchairuz. Zuvor halte ich bei einem Aussichtspunkt in 1320 m Höhe. Allerdings ist es so dunstig, dass der Genfer See kaum und die dahinter liegenden Berge fast überhaupt nicht zu sehen sind.
Auf der Passhöhe befindet sich ein Hotel (da ich nicht daran denke, Ludwig auf dem Pass zu fotografieren, zeige ich im nächsten Foto eine Hoteltür). Allerdings gibt es keine Internet-Verbindung, deshalb kann ich die potenzielle Wanderung zum Mont Tendre nicht mit Komoot planen. Da die Weitsicht aber ohnehin nicht gut ist, verzichte ich auf die Wanderung und fahre weiter. Übrigens passiere ich dabei viele Plätze, die übernachtungsgeeignet sind.
Ich komme an zwei Seen vorbei (Lac de Joux und Lac Brenet) und erreiche die Stadt Orbe, von der aus ich eventuell eine Wanderung durch eine Schlucht machen könnte. Ich gebe die im Womo-Reiseführer angegebenen Koordinaten eines Parkplatzes beim Fußballplatz ins Navi ein und esse dort zu Mittag.
Dann eine böse Überraschung: die Zufahrt zum Parkplatz ist plötzlich mit einer Schranke verschlossen, die nur Autos durchlässt, die niedriger als 2 m sind. Ludwig ist gefangen!
Wie ich später herausfinde, weist ein Verkehrszeichen am Beginn des Weges zum Parkplatz auf die Höhenbeschränkung hin. Das Schild ist allerdings hinter einem anderen Schild etwas versteckt angebracht, und da ich darauf konzentriert war, die richtige Ausfahrt aus einem Kreisverkehr zu nehmen, habe ich es übersehen. Die Schranke stand bei meiner Ankunft offen und war als solche nicht zu erkennen. Es gibt nur einen einzigen anderen Weg, der vom Parkplatz weg führt, allerdings mit Fahrverbot (ausgenommen für Berechtigte). Ich gehe ins Stadtzentrum von Orbe, um jemand zu finden, der Ludwig aus seiner misslichen Lage befreien kann, doch die Polizeistation ist an Samstagen geschlossen. Schließlich fasse ich den Entschluss, das Fahrverbot zu übersehen. Auf eine Wanderung oder eine Fototour in dieser ungastlichen Stadt habe ich nun keine Lust mehr.
Mein nächstes Ziel ist ein Parkplatz in rund 1380 m Höhe, der über eine abschnittsweise steile und enge Straße erreicht werden kann.
Auch ein Gasthaus befindet sich dort.
Vom Parkplatz gehe ich ein paar hundert Meter leicht bergauf.
Und dann stehe ich plötzlich vor einem Abgrund.
Das Gebiet nennt sich Creux du van.
Es handelt sich um einen Felskessel, der wahrscheinlich nach der Eiszeit durch Erosion entstanden ist.
Die Felswände des Kessels fallen rund 160 m senkrecht ab.
Da ich nicht schwindelfrei bin, bleibe ich in sicherer Entfernung vom Abgrund.
Ich spaziere anschließend zu einem Aussichtspunkt.
Bei besserer Sicht, als es heute der Fall ist, würde man hier in der Ferne mehrere Berge sehen, die über 4000 m hoch sind.
Am Abend leert sich der Parkplatz am Creux du van allmählich. Rund 20 Wohnmobile bleiben allerdings da, um zu übernachten. Auch ich entschließe mich dazu, hier die Nacht zu verbringen.
Meine Route:
Kilometerstand: 2491 km (149 km gefahren).