Der herrlich ruhige Stellplatz in Poullaouen lässt mich bis 7:30 schlafen. Der Himmel zeigt eine Mischung aus Wolken und Blau (im Moment im Verhältnis 60 : 40, aber das schwankt laufend) bei 13 Grad. Ich bin offensichtlich nicht der einzige, dem die Stellplatzpreise in Huelgoat zu hoch sind, denn neben den 5 "offiziellen" WoMos stehen am Nebenparkplatz 19 weitere (und wie ich später sehe, hat eines vor der Kirche übernachtet).

Ich überlege, ob ich einen Lidl brauche, aber angesichts der kostenlosen WoMo-Infrastruktur möchte ich zumindest eine Kleinigkeit im Ort kaufen. Die Bäckerei existiert nicht mehr, aber in einem Minimarkt bekomme ich Brot und zwei Desserts. Wie in fast jedem Dorf wurde auch in Poullaouen eine große Kirche gebaut.

Ich fahre wieder nach Huelgoat (eigentlich wollte ich dort tanken, aber aus Protest gegen die Stellplatz-Wucherpreise verzichte ich darauf). Etwas außerhalb des Ortes hat Obelix den Menhir de Kerampeulven geliefert (enge Zufahrt und etwas schwierig, mit einem WoMo zu wenden).

Bei meinem nächsten Stopp, der Kirche von Saint-Herbot, steht im Müller-Reiseführer, dass sie wegen Renovierung bis 2024 geschlossen ist. Ich habe gehofft, dass das Anfang 2024 bedeutet, aber die Hoffnung hat getrügt. Die Parkplätze hier sind jedenfalls nur im äußersten Notfall übernachtungsgeeignet, da ziemlich schief.

In Brennilis kann ein 5000 Jahre alter Dolmen ("Steintisch"; ein aus Steinblöcken errichteter Grabbau), genannt "Feenhaus", besichtigt werden.

Von einem kleinen, übernachtungsgeeigneten Parkplatz ...

... spaziere ich zum Stausee Lac de Brennilis.

Das Wasser des Stausees diente zur Kühlung des ältesten französischen Atomkraftwerks (in Betrieb bis in die 1980er Jahre). Heute Abend werde ich kein Licht einschalten müssen, da ich selbst leuchten werde ;-) Vielleicht bekomme ich dadurch ja Superkräfte.

20 km weiter wartet das UNESCO-Weltkulturerbe Mont Saint-Michel auf mich ... Upps! Google Maps spricht von Mont Saint-Michel de Brasparts, in Pocket Earth wird der Berg Montagne Saint-Michel genannt. Der Parkplatz (schaut nach einem netten Übernachtungsplatz aus) liegt auf 350 m Höhe (viel höher geht es in der Bretagne nur an wenigen Stellen), wobei die Landschaft hier sehr kahl ist.

Ich esse das frische Brot aus Poullaouen mit Mortadella und Käse.

Nach der Mittagspause steige ich fast 30 Höhenmeter bis zum windigen Gipfel hinauf. Hier befindet sich eine Plattform, von der aus man einen 360-Grad-Rundumblick hat. Allerdings schafft das iPhone bei Panorama-Aufnahmen nur schätzungsweise 270 Grad (nachfolgendes Foto zeigt etwas weniger Grad).

Die Chapelle Saint-Michel de Brasparts ist die höchstgelegene Kapelle der Bretagne.

Den nächsten Halt lege ich in Commana ein. Warum man immer wieder auf dem Kopf stehende Ortsschilder sieht, weiß ich nicht. Eine Form des Protests? Wogegen?

Ich befinde mich jetzt im Elorn-Tal, das zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert sehr wohlhabend war. Damals entstanden hier die Enclos Paroissiaux, die umfriedeten Pfarrbezirke, bestehend üblicherweise aus einer Kirche, einem Friedhof, einem Beinhaus, einem Calvaire und einem aufwendig gestalteten Triumphtor, die von einer Mauer umgeben sind. Die Städte wetteiferten untereinander, den prachtvollsten Pfarrbezirk zu besitzen. In Commana sind insbesondere der Altar und das fünfeckige Taufbecken sehenswert. Faszinierend sind auch die Blumen, die auf den Mauern wachsen.




Pleyben wird im WoMo-Reiseführer nicht erwähnt, darum hätte ich diesen Pfarrbezirk fast übersehen. Aber ich habe ja auch den Müller-Reiseführer. Allerdings muss ich nun zurück zum Montagne Saint-Michel und noch ein Stück weiter. Ich halte zunächst auf einem Längsparkplatz, doch ist dieser am Boden beschriftet mit einem Text, den Google als "Minutenstopp" übersetzt. Ich glaube nicht, dass ich hier lange stehen darf. Am großen Hauptplatz, dem Place Charles de Gaulle, sind jedoch genügend freie Plätze vorhanden.

Ich will gerade die Kirche fotografieren gehen, als ein Bus mit Touristen eintrifft. Ich beschließe, nicht ganz einen Kilometer zum Lidl zu fahren. Es gibt weder Mortadella noch Berner, dabei wäre im Einkaufswagen dafür so viel Platz :-(

Die Kirche in Pleyben hat drei Türme.

Es gibt kein prunkvolles Tor, dafür sieht der Calvaire ...

... wie ein Tor aus.

Natürlich werfe ich auch einen Blick ins Innere ...

... der Kirche.

Das Wetter mit viel Sonne und einigen Wolken könnte für einen stimmungsvollen Sonnenuntergang sorgen. Ich beschließe, später noch einmal herzukommen. Pleyben verfügt über einen offiziellen, kostenlosen Stellplatz für 6 WoMos vor einem kleinen Park, nicht ganz einen Kilometer vom Zentrum entfernt. Ich werde hier übernachten (hoffentlich ist das kein Treffpunkt für Jugendliche) und später entweder zu Fuß oder mit Ludwig - abhängig davon, wie viele Campervans hierher kommen - noch einmal zur Kirche gehen bzw. fahren.

Ich esse Eierspeise mit Salat und bereite die Fotos für den Blog vor. Um 19:30 sind Ludwig und ein zweites WoMo, das bereits vor uns da war, weiterhin allein. Da besteht keine Gefahr, dass ich keinen Platz bekomme, wenn ich noch einmal wegfahre. Das erspart mir 2 km Fußmarsch (10.000 Schritte habe ich eh schon absolviert).

Die Idee mit den Aufnahmen bei Sonnenuntergang war nicht schlecht (ich sollte mir sowieso angewöhnen, mehr im guten Licht frühmorgens oder spätabends zu fotografieren), und auch der Ort passt (da man zumindest einige Positionen findet, wo keine Autos im Bild sind), nur das Wetter spielt nicht mit: es ist zu gut! Blauer Himmel und fast keine Wolken (die wenigen nur nah am Horizont) lassen leider keine Aufnahmen zu, die ich mir gewünscht hatte. Um 21:00 gebe ich auf (die Sonne geht hier erst um 22:07 unter) und fahre zum Stellplatz zurück, wo noch einige Arbeit auf mich wartet, damit ihr was zum Lesen habt.

Meine Route:


Kilometerstand: 2919 km (99 km gefahren).






























