Freitag, 31. Mai 2024

Frankreich, Tag 29 (Freitag, 31.5.2024): UNESCO-Weltkulturerbe Mont-Saint-Michel... Upps!

Der herrlich ruhige Stellplatz in Poullaouen lässt mich bis 7:30 schlafen. Der Himmel zeigt eine Mischung aus Wolken und Blau (im Moment im Verhältnis 60 : 40, aber das schwankt laufend) bei 13 Grad. Ich bin offensichtlich nicht der einzige, dem die Stellplatzpreise in Huelgoat zu hoch sind, denn neben den 5 "offiziellen" WoMos stehen am Nebenparkplatz 19 weitere (und wie ich später sehe, hat eines vor der Kirche übernachtet).


Ich überlege, ob ich einen Lidl brauche, aber angesichts der kostenlosen WoMo-Infrastruktur möchte ich zumindest eine Kleinigkeit im Ort kaufen. Die Bäckerei existiert nicht mehr, aber in einem Minimarkt bekomme ich Brot und zwei Desserts. Wie in fast jedem Dorf wurde auch in Poullaouen eine große Kirche gebaut.


Ich fahre wieder nach Huelgoat (eigentlich wollte ich dort tanken, aber aus Protest gegen die Stellplatz-Wucherpreise verzichte ich darauf). Etwas außerhalb des Ortes hat Obelix den Menhir de Kerampeulven geliefert (enge Zufahrt und etwas schwierig, mit einem WoMo zu wenden).


Bei meinem nächsten Stopp, der Kirche von Saint-Herbot, steht im Müller-Reiseführer, dass sie wegen Renovierung bis 2024 geschlossen ist. Ich habe gehofft, dass das Anfang 2024 bedeutet, aber die Hoffnung hat getrügt. Die Parkplätze hier sind jedenfalls nur im äußersten Notfall übernachtungsgeeignet, da ziemlich schief.


In Brennilis kann ein 5000 Jahre alter Dolmen ("Steintisch"; ein aus Steinblöcken errichteter Grabbau), genannt "Feenhaus", besichtigt werden.


Von einem kleinen, übernachtungsgeeigneten Parkplatz ...


... spaziere ich zum Stausee Lac de Brennilis.


Das Wasser des Stausees diente zur Kühlung des ältesten französischen Atomkraftwerks (in Betrieb bis in die 1980er Jahre). Heute Abend werde ich kein Licht einschalten müssen, da ich selbst leuchten werde ;-) Vielleicht bekomme ich dadurch ja Superkräfte.


20 km weiter wartet das UNESCO-Weltkulturerbe Mont Saint-Michel auf mich ... Upps! Google Maps spricht von Mont Saint-Michel de Brasparts, in Pocket Earth wird der Berg Montagne Saint-Michel genannt. Der Parkplatz (schaut nach einem netten Übernachtungsplatz aus) liegt auf 350 m Höhe (viel höher geht es in der Bretagne nur an wenigen Stellen), wobei die Landschaft hier sehr kahl ist.


Ich esse das frische Brot aus Poullaouen mit Mortadella und Käse.


Nach der Mittagspause steige ich fast 30 Höhenmeter bis zum windigen Gipfel hinauf. Hier befindet sich eine Plattform, von der aus man einen 360-Grad-Rundumblick hat. Allerdings schafft das iPhone bei Panorama-Aufnahmen nur schätzungsweise 270 Grad (nachfolgendes Foto zeigt etwas weniger Grad).


Die Chapelle Saint-Michel de Brasparts ist die höchstgelegene Kapelle der Bretagne.


Den nächsten Halt lege ich in Commana ein. Warum man immer wieder auf dem Kopf stehende Ortsschilder sieht, weiß ich nicht. Eine Form des Protests? Wogegen?


Ich befinde mich jetzt im Elorn-Tal, das zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert sehr wohlhabend war. Damals entstanden hier die Enclos Paroissiaux, die umfriedeten Pfarrbezirke, bestehend üblicherweise aus einer Kirche, einem Friedhof, einem Beinhaus, einem Calvaire und einem aufwendig gestalteten Triumphtor, die von einer Mauer umgeben sind. Die Städte wetteiferten untereinander, den prachtvollsten Pfarrbezirk zu besitzen. In Commana sind insbesondere der Altar und das fünfeckige Taufbecken sehenswert. Faszinierend sind auch die Blumen, die auf den Mauern wachsen.





Pleyben wird im WoMo-Reiseführer nicht erwähnt, darum hätte ich diesen Pfarrbezirk fast übersehen. Aber ich habe ja auch den Müller-Reiseführer. Allerdings muss ich nun zurück zum Montagne Saint-Michel und noch ein Stück weiter. Ich halte zunächst auf einem Längsparkplatz, doch ist dieser am Boden beschriftet mit einem Text, den Google als "Minutenstopp" übersetzt. Ich glaube nicht, dass ich hier lange stehen darf. Am großen Hauptplatz, dem Place Charles de Gaulle, sind jedoch genügend freie Plätze vorhanden.


Ich will gerade die Kirche fotografieren gehen, als ein Bus mit Touristen eintrifft. Ich beschließe, nicht ganz einen Kilometer zum Lidl zu fahren. Es gibt weder Mortadella noch Berner, dabei wäre im Einkaufswagen dafür so viel Platz :-(


Die Kirche in Pleyben hat drei Türme. 


Es gibt kein prunkvolles Tor, dafür sieht der Calvaire ...


... wie ein Tor aus.


Natürlich werfe ich auch einen Blick ins Innere ...


... der Kirche.


Das Wetter mit viel Sonne und einigen Wolken könnte für einen stimmungsvollen Sonnenuntergang sorgen. Ich beschließe, später noch einmal herzukommen. Pleyben verfügt über einen offiziellen, kostenlosen Stellplatz für 6 WoMos vor einem kleinen Park, nicht ganz einen Kilometer vom Zentrum entfernt. Ich werde hier übernachten (hoffentlich ist das kein Treffpunkt für Jugendliche) und später entweder zu Fuß oder mit Ludwig - abhängig davon, wie viele Campervans hierher kommen - noch einmal zur Kirche gehen bzw. fahren.


Ich esse Eierspeise mit Salat und bereite die Fotos für den Blog vor. Um 19:30 sind Ludwig und ein zweites WoMo, das bereits vor uns da war, weiterhin allein. Da besteht keine Gefahr, dass ich keinen Platz bekomme, wenn ich noch einmal wegfahre. Das erspart mir 2 km Fußmarsch (10.000 Schritte habe ich eh schon absolviert).


Die Idee mit den Aufnahmen bei Sonnenuntergang war nicht schlecht (ich sollte mir sowieso angewöhnen, mehr im guten Licht frühmorgens oder spätabends zu fotografieren), und auch der Ort passt (da man zumindest einige Positionen findet, wo keine Autos im Bild sind), nur das Wetter spielt nicht mit: es ist zu gut! Blauer Himmel und fast keine Wolken (die wenigen nur nah am Horizont) lassen leider keine Aufnahmen zu, die ich mir gewünscht hatte. Um 21:00 gebe ich auf (die Sonne geht hier erst um 22:07 unter) und fahre zum Stellplatz zurück, wo noch einige Arbeit auf mich wartet, damit ihr was zum Lesen habt.


Meine Route:



Kilometerstand: 2919 km (99 km gefahren).

Donnerstag, 30. Mai 2024

Frankreich, Tag 28 (Donnerstag, 30.5.2024): Heilige, Feen und Wildschweine

Gut, dass ich nicht früh aufgestanden bin, um die Heiligen im Tal, das ein Hügel ist, bei Sonnenaufgang zu fotografieren, denn es ist bewölkt. Um 7:30 bereite ich gerade mein Müsli vor, als mich das Prasseln von Regentropfen aufschreckt. Aber es ist nur eine lokale Wetteranomalie, die nach zwei Minuten vorüber ist. Im Regenradar sind weit und breit keine Niederschläge zu sehen. Die Temperatur: 13 Grad.


Als ich kurz nach halb neun auf Fototour gehe, lassen Lücken in den Wolken immer wieder die Sonne durch. Ich bin völlig allein (abgesehen von über 100 Heiligen). Um 9:30 tauchen Arbeiter auf, die das Gras mähen, und um 10:15 kommen erste Touristen. Zwischendurch fallen dreimal ein paar Regentropfen, aber das dürfte in der Bretagne auch an einem trockenen Tag öfters passieren. Ich suche vergeblich nach einem Regenbogen. Um 11 Uhr kehre ich zu Ludwig zurück. Mehr Bilder als im Blog findet ihr wie üblich in Komoot:









Neben dem Besucherzentrum kann man zusehen, wie der Granit für die nächsten Statuen bearbeitet wird.


Ich esse Sardinen und ein 35-Cent-Baguette.


Nach der Mittagspause fahre ich nach Huelgoat und halte auf einem Wanderparkplatz kurz vor dem Ort. 


Ich habe gestern eine Tour aus der Rother-App in Komoot importiert, so dass ich letztere App als Wander-Navi verwenden kann. Die Wanderung ist nicht barrierefrei, denn an mehreren Stellen sind Bäume umgestürzt, wo man nicht weiß, ob man versuchen soll, unter- oder oberhalb vorbeizukommen, oder ob man am Weg bleiben und über Baumstämme und Geäst klettern soll. Die Wanderung führt zunächst zu einer Schlucht. Ich folge dann einem Wegweiser. Erst als das Handy sagt, "Du hast die Tour verlassen. Wirf einen Blick auf die Karte", merke ich, dass die Rother-Tour einen anderen Pfad nimmt, der zum "Teich der Feen" führt. Später gehe ich lange an einem Kanal entlang und gelange nach Huelgoat. Hier befindet sich eine alte Mühle. Durch ein Labyrinth von Granitsteinen kommt man zur Grotte des Teufels. Bald danach erreiche ich einen über 100 Tonnen schweren Granitblock, der  - an der richtigen Stelle angefasst - ein paar Zentimeter bewegt werden kann. Weitere Wegpunkte sind das Lager und die Grotte von König Artus sowie der "Teich der Wildschweine" (wo mir allerdings nur ein Hund ins Foto läuft). Nach fast 4 Stunden treffe ich bei Ludwig ein. Nachfolgend ein paar Bilder der Wanderung:













Ich fahre zu einem Parkplatz in Huelgoat, wo man nach kurzem Aufstieg einen Granitblock erreicht, der wie ein Champignon aussieht und auch so genannt wird.


In Huelgoat gibt es einen offiziellen Wohnmobil-Stellplatz. Vermutlich bis 2023 war dieser kostenlos. Jetzt werden 13 Euro für eine Nacht (plus Kurtaxe) kassiert (wobei Strom in diesem Preis inkludiert ist, aber die wenigsten Camper sind auf Strom angewiesen). Braucht man Wasser, zahlt man weitere 5 Euro für 10 Minuten. Bei diesen Preisen sehe ich mich nach einer Alternative um. Der Wanderparkplatz kommt nicht in Frage, da er meines Wissens in einem Naturschutzgebiet liegt, und im Ort Huelgoat besteht das Risiko, dass man in der Nacht geweckt und zum offiziellen Stellplatz geschickt wird. Ich fahre stattdessen 11 Kilometer zurück. In Poullaouen gibt es einen Gratis-Stellplatz für 5 WoMos (4 sind schon da, aber nebenan befinden sich Parkplätze des Sportplatzes, die man sicher auch benützen könnte) sowie eine Ver- und Entsorgungs-Station (wo man für Wasser nichts bezahlen muss).


Ich stärke mich mit Faschierten Laibchen und Eisbergsalat, ehe ich damit beginne, den heutigen Blogbeitrag zu schreiben.


Meine Besichtigung des Vallee des Saints:


Meine Wanderung in Huelgoat:


Meine Route:



Kilometerstand: 2820 km (33 km gefahren).