Mittwoch, 29. Mai 2024

Frankreich, Tag 27 (Mittwoch, 29.5.2024): Das Tal der Heiligen

Das Wetter ist wie gestern: grau und feucht. Die Regenradar-App zeigt großflächige Bereiche mit feinem Nieseln, die aber nach Osten abziehen. Die Temperatur beträgt 15 Grad. Auf dem Campingplatz de la Mer in Primel-Tregastel hat sich gestern eine Jugendgruppe aus Deutschland in Begleitung einiger Lehrer einquartiert, die in zahlreichen Zelten schläft und in zwei großen Zelten mit Tischen und Bänken isst (das alles wird mit einem gemieteten Möbel-LKW transportiert). Ich stehe um 6:30 auf, um zu duschen und das WC zu benutzen, bevor die Jugendlichen alles blockieren.


Ver- und Entsorgung habe ich bereits gestern erledigt, heute muss nur noch gekehrt werden. Kurz vor 9 Uhr breche ich auf, wobei es gerade so viel nieselt/regnet, dass ich nicht weiß, ob ich die Scheibenwischer im Intervall- oder Dauerbetrieb einschalten soll. Nach 20 Minuten erreiche ich den Parkplatz beim ältesten Steinzeitmonument der Welt, dem Steingrab Cairn de Barnenez.


Jetzt muss ich eine Pause einlegen, denn die Öffnungszeiten sind 10 - 12:30 und 14 - 18:30. Ich schmökere im Müller-Reiseführer. Um 10 Uhr zahle ich 7 Euro Eintritt, um das 75 m lange, 30 m breite und bis zu 9 m hohe Steingrab (Cairn bedeutet "Monument aus Stein, das Gräber bedeckt") ...


... zu besichtigen.


In der Hoffnung, dass ein Geldopfer im Supermarkt dazu beiträgt, den Regenheiligen zu besänftigen (in der Bretagne soll es 7.777 Heilige geben, nach anderen Quellen sind es "nur" 999 oder 1000 - da ist sicher einer dabei, der fürs Wetter zuständig ist), lasse ich mich vom Navi zum Lidl in Morlaix leiten.


Heute gibt es mal wieder Brote mit Aufstrich, Zwiebeln und Käse als Mittagessen.


Ich habe schon seit Tagen geplant, nun weitgehend der Tour 8 aus dem WoMo-Reiseführer zu folgen. Sie führt in einem Bogen ins Landesinnere und endet wieder in Morlaix. Auch wenn es um 12:30 zu nieseln aufzuhören scheint, verschiebe ich die Besichtigung der Stadt. Ich fahre nach Plougonven, wo es bei den Sportplätzen und einer Sporthalle zwei Stellplätze für Camping-Cars gibt (wenn die belegt sind, kann man sicherlich auch die zahlreichen anderen Parkplätze benutzen - sobald man sich von der Küste entfernt, trifft man sehr viel seltener auf Wohnmobile). Die Versorgungsstation ist außer Betrieb.


Ich will zur Kirche spazieren, aber es nieselt nun wieder ganz fein. Der Wind bläst mir das Wasser ins Gesicht, darum flüchte ich zurück in Ludwig und lege ein Mittagsschläfchen ein. Kurz nach 2 Uhr mache ich mich auf den Weg zur Kirche, die derzeit renoviert wird (ich hätte auch dort parken können, aber etwas Bewegung tut gut). In Plougonven gibt es einen Calvaire, der zu den größten und schönsten der Bretagne zählt. Google übersetzt "Calvaire" mit Kalvarienberg, aber es handelt sich um ein Kruzifix, um das herum verschiedene biblische Szenen dargestellt sind - natürlich Ereignisse bei der Kreuzigung, aber in Plougonven sieht man beispielsweise auch die Geburt Jesu. Hier ein paar Fotos:





Ich fahre weiter nach Carnoet, zum Vallee des Saints (Tal der Heiligen). Die Schranke zum Parkplatz (9 Euro, zu bezahlen mit Karte bei der Ausfahrt) öffnet sich automatisch. Er ist vorbildlich angelegt, mit getrennten Bereichen für Motorräder, Autos mit Behinderten-Ausweis, Busse und Wohnmobile sowie PKWs. In der Nähe des Besucherzentrums befinden sich außerdem Fahrrad-Abstellplätze.


Abgesehen von der Gebühr für das Parken ist der Eintritt frei. Das Tal der Heiligen (eigentlich ist es ja ein Hügel) ist ein seit 15 Jahren laufendes Projekt, bei dem jedes Jahr neue Steinskulpturen von bretonischen Heiligen (derzeit ungefähr 140) von verschiedenen Künstlern hinzugefügt werden. Im Laufe der kommenden Jahrzehnte sollen es mehr als 1.000 werden. In einigen tausend Jahren wird man die Skulpturen ausgraben und darüber staunen. Ich besichtige einen Teil der Heiligen, breche aber ab, als es zu regnen beginnt (nur sehr kurz). Da man auf dem Parkplatz übernachten darf (ich habe extra im Besucherzentrum nachgefragt), werde ich die Besichtigung morgen bei - den Vorhersagen nach - besserem Wetter fortsetzen. Nachfolgend einige Bilder (wenn ihr mehr sehen wollt, meldet euch bei Komoot an und sucht das Profil von LudwigVan):










Zum Abendessen koche ich Pasta Quattro Formaggi mit Eisbergsalat. Um 18 Uhr köcheln die Teigwaren noch, als plötzlich die Wolkendecke aufreißt (nur kurz, aber immerhin!). Endlich wieder Sonne! 


Mein Spaziergang in Plougonven:


Mein Weg im Tal der Heiligen:


Meine Route:



Kilometerstand: 2787 km (64 km gefahren).