Es ist wieder etwas wärmer geworden, am Morgen hat es 14 Grad. Es ist bewölkt, aber die Sonne kommt hervor.

Ich breche noch vor 8 Uhr nach Perros-Guirec auf. Dort ist es schwer, einen Parkplatz für ein WoMo zu finden, aber in Park4night habe ich einen Tagesparkplatz für 8 Campervans am Hafen entdeckt. Ich hoffe, dass ich dort einen Platz bekomme, wenn ich früh auftauche. Tatsächlich stehen erst zwei Wohnmobile dort, allerdings ist das Parken nur zwischen 9 und 19 Uhr gestattet. Ich hoffe, dass an einem Sonntag früh kein Polizist auftaucht. Ich muss ohnehin noch Zähne putzen und meine Wanderausrüstung vorbereiten. Und damit ich's nicht vergesse zu erwähnen: wie gestern bei der Fahrt zur Ile Grande ist auch die Straße, die ich heute nehme, wegen Bauarbeiten gesperrt. Da an Sonntagen nicht gearbeitet wird, ist jedoch eine Spur offen.

Um 9 Uhr beginne ich die Wanderung. Anfangs gehe ich entlang der Straße.

Einmal will ich zu einem kleinen Strand, von dessen anderen Ende in der Komoot-App eine Treppe zur Straße eingezeichnet ist. Allerdings sieht man in der App nicht, dass ein Stück des Weges bei Flut für nasse Füße sorgt. Ich muss also umdrehen.

An der nordöstlichen Spitze kann man auf einige Felsen klettern.

Auch den nächsten Abschnitt der Tour muss man auf (wenig befahrenen) Straßen gehen. Ich mache einen Abstecher ins Zentrum von Perros-Guirec zur Kirche Saint-Jacques-le-Majeur und sehe am Handy, dass in einer halben Stunde leichter Regen erwartet wird.

Die Regenradar-App bestätigt, dass eine Regenwolke genau auf mich zu kommt. Ich gehe zum Strand, an dem sich das Casino von Perros-Guirec befindet. Hier findet eine Amateur-Laufveranstaltung statt.

Am anderen Ende des Strands kann endlich wieder der Fernwanderweg Zöllnerpfad begangen werden. Ich muss öfters ausweichen, um die Läufer vorbei zu lassen. Der leichte Regen erreicht mich um 10:30. Im Regenradar ist zu sehen, dass er spätestens in 30 Minuten vorbei sein soll. Ich lege also eine Pause unter einem Baum ein und lese, was für Neuigkeiten der Standard zu berichten hat. Nach 20 Minuten kann ich die Wanderung fortsetzen, und bald scheint wieder die Sonne. Ab und zu schieße ich ein Foto des felsigen Ufers unter mir - nichts Besonderes, aber weiter vorn sind Gesteinsformationen in einem orange-rosa-bräunlichen Farbton zu erkennen.

Ich komme an einem Parkplatz vorbei, der in Park4night nicht eingetragen ist, und sehe keine Höhenschranke (es könnte aber am Beginn der Zufahrtsstraße eine geben). Laut WoMo-Reiseführer befindet sich in der Nähe auch ein kostenpflichtiger, für WoMos freigegebener Parkplatz - will man nur die Höhepunkte der Cote de Granit Rose, der rosa Granitküste, erleben, reicht es, die Wanderung von dort aus zu starten.

Die Felsblöcke werden nun immer mehr und größer, und meine Durchschnittsgeschwindigkeit wird immer geringer, da ich ständig neue Fotomotive entdecke - hier ein steinernes Gesicht, da eine riesige Schildkröte, und so weiter. Eine weitere kleine Regenwolke (die nur leichtes Nieseln bringt) zieht über mich hinweg. Da es gerade 12 Uhr ist, nutze ich die Gelegenheit, mich unter einen Baum zu setzen und eine Flasche Yfood zu trinken. Ich gehe weiter, klettere auf Felsblöcke und bringe den Auslöser des Fotoapparats zum Glühen.









Der Leuchtturm! Phare de Ploumanac'h (auch Leuchtturm! von Mean Ruz genannt) wird sichtbar, und er ist eine wahre Schönheit. Es sind verhältnismäßig wenige Touristen unterwegs, aber genug, dass ständig welche in den Bildern herumstehen - bei der Bearbeitung der Fotos werde ich versuchen, sie weg zu retouchieren. Einmal warte ich 5 Minuten, bis ich endlich eine kleine Steintreppe und den Leuchtturm! ohne Menschen fotografieren kann.






Der Pfad führt nun nach Südwesten nach Ploumanac'h. Inzwischen ist Ebbe, und man kann (zumindest auf der Komoot-Karte) durchs Meer spazieren.

Auf einer Insel ist das Schloss Costaeres zu sehen, das von Dieter Hallervorden gekauft wurde. Hier entstand der Roman "Quo Vadis".

Ich erreiche den Hafen von Ploumanac'h. Campervans dürfen hier nur halten, aber nicht parken (die Campingplatz-Mafia dürfte in dieser Gegend sehr einflussreich sein) - ein paar WoMos lassen es aber darauf ankommen, ob sie einen Strafzettel kriegen. Eigentlich wollte ich nun eine Pause einlegen, aber da das Handy eine weitere Regenwolke ankündigt, will ich die Pause erst machen, wenn sie mich erreicht (da sie mich aber verfehlt, setze ich mich um 15 Uhr für ein paar Minuten auf eine Mauer und leere meine Wasserflasche).

Ich marschiere auf wenig befahrenen Straßen hauptsächlich durch Wohngebiete von Ploumanac'h nach Perros-Guirec. Rund einen Kilometer vom Hafen entfernt findet man hier Längsparkplätze, wo auch ein WoMo parken kann (und im Tarnkappenmodus vermutlich auch übernachten; allerdings stehen hier lauter Einfamilienhäuser, was Aufmerksamkeit erregen könnte - ein Gebiet mit Mehrfamilienhäuser eignet sich für unauffälliges Übernachten besser). Kurz nach halb vier treffe ich bei Ludwig ein, wo ich mich umziehe, raste, etwas Salziges snacke, viel trinke und den Boiler einheize.

Ich beschließe, am gleichen Stellplatz wie gestern zu übernachten. Man darf dort zwar nur 24 Stunden stehen (was niemand kontrolliert), aber da ich zwischendurch weg war, beginnt das Intervall sicherlich neu. Bei der Baustelle gibt es keine Umleitungs-Wegweiser. Da aus der anderen Richtung kein Auto kommt, ignoriere ich das Fahrverbotsschild, gebe Gas und fahre illegal zwei- oder dreihundert Meter. Der Stellplatz ist heute voller, aber ich habe noch mehrere Plätze zur Auswahl.

Während ich Kaiserschmarrn mit Apfelmus esse, kann ich ein Fazit ziehen: Perros-Guirec ist uninteressant, eine typische Tourismus-Hochburg, wie man sie auch aus anderen Ländern ganz ähnlich kennt. Die Gesteinsformationen und der Leuchtturm! bei Ploumanac'h sind aber top und sollte man unter keinen Umständen versäumen, wenn man in der Bretagne ist (dann reicht aber auch eine kürzere Wanderung ab dem erwähnten Parkplatz).

Meine Wanderung an der rosa Granitküste:

Meine Route (Google hat die Umleitung berücksichtigt):


Kilometerstand: 2608 km (21 km gefahren und fast ebenso weit gegangen).