Schock am Sonntag-Morgen: gestern schrieb mir mein Bruder (ich sehe die Mails aber erst heute), dass Mutter gestürzt ist und die Nacht im Krankenhaus verbringen musste. Ich lasse mir den Vorfall am Telefon berichten. Da ich nichts unternehmen kann, beschließe ich, eine im Kompass-Wanderführer Bretagne gefundene Wanderung zu machen (das lenkt ab). Um den Stellplatz verlassen zu können, muss man an der Schranke am Touchscreen auswählen, dass man ein bestehender Kunde ist, und einen Code eingeben, der auf dem bei der Einfahrt erhaltenen Ticket steht. Dann hat man die Wahl, ob man nur vorübergehend oder endgültig wegfahren will. Ärgerlich: es gibt auf diesem Stellplatz keine Mülltonne. Mein Ziel ist ein kleiner Parkplatz bei der Pointe de Plouha (laut Infos aus dem Internet mit 104 m die höchste Klippe der Bretagne). Die Zufahrtsstraßen sind sehr schmal, aber Franzosen stehen zum Glück spät auf. Als ich um 9 Uhr eintreffe, parken ein WoMo und zwei (bald wegfahrende) PKWs hier.

Da der GPS-Track des Wanderführers beim Strand Plage Bonaparte startet, muss ich die Tour nach dem Import in Komoot am MacBook bearbeiten. Ich ändere den Startpunkt und wundere mich, dass plötzlich aus der mittelschweren 16-km-Wanderung eine mehr als 20 km lange schwere Tour wird, obwohl sich die Routenführung nicht geändert hat. Man sollte halt genauer hinschauen, dann hätte ich bemerkt, dass der Endpunkt nicht auch automatisch angepasst wurde. Ich lade die Tour auf meine Uhr und marschiere los. Es geht an der Küste entlang auf dem sogenannten Zöllnerweg, manchmal etwas bergab, dann wieder bergauf - in Summe kommen so über 300 Höhenmeter zusammen. Einmal weiche ich vom geplanten Weg ab und steige eine Treppe zu einem Strand hinunter, wo Boote befestigt sind (es herrscht derzeit Ebbe). Vorübergehend zieht über dem Meer Nebel auf. Oberhalb der Plage Bonaparte erinnert ein Gedenkstein an die im 2. Weltkrieg in Zusammenarbeit mit dem französischen Widerstand erfolgte Flucht von 150 Piloten nach England. Hier befinden sich zwei Parkplätze, wobei mich wundert, dass sie an einem Sonntag mit herrlichem Wetter um die Mittagszeit noch nicht voll sind. Ich mache um 11:40 eine zwanzig minütige Pause und stärke mich mit einer Flasche Yfood. Ich will meinen Bruder anrufen, bekomme aber keine Telefonverbindung (auch nicht mit dem Komoot-Handy), obwohl das Internet funktioniert - eigenartig! Aber man kann ja auch via Alexa telefonieren. Mutter ist wieder zu Hause, sie hat eine leichte Gehirnerschütterung, es geht ihr aber gut - großes Aufatmen! Der Rückweg verläuft abseits der Küste auf Wald- und Feldwegen sowie schmalen Asphaltstraßen. Ich erreiche die Zufahrt zum Parkplatz, gehe aber noch ein Stück weiter südwärts. Eigentlich möchte ich eine Pause einlegen, leider gibt es aber nirgends eine Sitzgelegenheit. Meine Tour trifft schließlich wieder auf den Zöllnerweg. Der letzte Anstieg ist recht steil, so dass ich mir Wanderstöcke wünsche. Oben steht eine Bank, auf der ich 10 Minuten raste und meine Wasserflasche leere. Bis zu Ludwig (den ich um 14:35 erreiche) sind es nur noch 500 m. Der Parkplatz ist nun voll. Für ein großes WoMo wäre es jetzt wohl nicht einfach, zu wenden. Hier sind Fotos dieser empfehlenswerten Wanderung:

















Das WoMo, das bereits am Morgen hier stand, hat wahrscheinlich auf diesem Parkplatz übernachtet. Ich habe zwar keine entsprechenden Schilder gesehen, glaube aber nicht, dass das Übernachten gestattet ist (auch Park4night weist auf ein Nachtparkverbot hin). Auch wenn die Aussicht wunderschön ist, will ich kein Risiko eingehen. Im WoMo-Reiseführer wird ein kostenloser Stellplatz für 2 Camper im Dorf Lanloup ein paar Kilometer weiter erwähnt. Ich fahre hin. Es handelt sich um einen Parkplatz, wo ein Schild es zwei Campern erlaubt, hier maximal 24 Stunden zu stehen. Ludwig ist das zweite WoMo, also kann ich hier ganz offiziell übernachten.

Auf der anderen Straßenseite steht eine interessante alte Kirche, von der ich natürlich einige Fotos schieße.

Wie viele Kirchen in Frankreich ist auch diese offen.

Zum Abendessen gibt es Kaiserschmarrn mit Apfelmus.

Meine Wanderung:

Meine Route:


Kilometerstand: 2267 km (26 km gefahren).