Sonntag, 30. Juni 2024

Frankreich, Tag 59 (Sonntag, 30.6.2024): Rennes

Ich hatte recht: sobald die Tagesgäste den Parkplatz P2 beim See Lac de Tremelin verlassen haben, wird es sehr ruhig, da nur noch ein paar WoMos hier sind. Nach einer angenehmen Nacht werde ich von meiner Uhr um 6 Uhr geweckt. Da das Thermometer nicht funktioniert, weiß ich die Temperatur nicht, aber ich schätze 13 Grad plus/minus.


Mein Bretagne-Urlaub nähert sich dem Ende. Heute steht die Hauptstadt Rennes (ca. 225.000 Einwohner) auf dem Programm. Dort soll die Parksituation schon für PKWs schwierig sein, mit einem WoMo hat man wohl nur an einem Sonntag eine Chance. Ich fahre kurz nach halb sieben ab, wenn die meisten Franzosen noch schlafen. So erreiche ich bei wenig Verkehr einen in Park4night eingetragenen Parkplatz in Zentrumsnähe (nur die letzten ein oder eineinhalb Kilometer sind kompliziert, da mich das Navi mal links und dann wieder rechts abbiegen lässt und einmal will, dass ich gegen die Einbahn fahre). Es stehen nur wenige Autos auf dem Parkplatz - wären nur ein paar Parklücken frei, wäre das Einparken durch die Enge wahrscheinlich sehr schwierig. Wieder einmal zeigt es sich, dass Ludwig mit seinen 6 m die Maximallänge aufweist, die ein WoMo haben sollte. Unter der Woche muss man offenbar in ganz Rennes fürs Parken bezahlen (zumindest überall dort, wo ich heute herumgegangen bin), wobei die ersten drei 50-Minuten-Intervalle jeweils 1 Euro kosten. Danach steigt der Preis rapide an: will man 6 Stunden und 15 Minuten hier stehen (mehr ist nicht erlaubt), zahlt man 24,30 (!) Euro. Nur an Sonn- und Feiertagen parkt man gratis.


Rennes ist einen Besuch auf jeden Fall wert. Nach dem Frühstück marschiere ich um 8:45 los - wie ich in etwas mehr als 6 Stunden (inkl. kurze Yfood-Mittagspause) gegangen bin, seht ihr in der Komoot-Aufzeichnung weiter unten. Die Stadt ist nicht mit Touristen überfüllt - ziemlich am Anfang bin ich in der Kathedrale Saint-Pierre für ein paar Minuten völlig allein. Im Jahr 1720 sind fast 1000 Häuser in Rennes abgebrannt, einige Fachwerkhäuser haben die Katastrophe jedoch überstanden. Insgesamt mache ich bei meiner Stadtbesichtigung rund 22.000 Schritte und gehe fast 16 km, von denen nur der Weg zu einem Aussichtspunkt über den Bahngleisen unnötig ist. Hier ein paar Fotos:
































Nach einer Rast in Ludwig mache ich mich auf den Weg zu einem Stellplatz in Pire-sur-Seiche aus dem WoMo-Reiseführer (zuvor tanke ich noch um 1,663 Euro/Liter). Als ich die Stadt erreiche, sind zahlreiche Autos am Straßenrand geparkt. In der Stadt findet ein Markt statt, und alle Straßen in Richtung Stellpatz sind unpassierbar, so dass ich zum nächsten Ort fahren muss (später sehe ich, dass ich die letzte Abzweigung doch hätte nehmen können, aber es parken auch dort so viele Autos, dass ich geglaubt habe, die Straße wäre gesperrt). In einem weiten Bogen nähere ich mich der Stadt aus südöstlicher Richtung und mache mir Sorgen, dass die Marktbesucher auch die Wohnmobil-Parkplätze besetzt haben. Das ist nicht der Fall - aber nur deshalb, weil auf allen Plätzen bereits WoMos stehen. Die Hauptsaison hat ganz eindeutig begonnen.

Ich möchte morgen Vitre besichtigen und suche in Park4night einen Stellplatz, der am Weg dorthin liegt. In Poce-les-Bois ist einer eingetragen, der mir aber nicht zusagt (lärmende Kinder auf dem angrenzenden Spielplatz, und auch hier recht viele PKWs). Also geht es gleich weiter nach Vitre, zu einem kleinen, ruhigen "Parkplatz in der Nähe des Bahnhofs mit dem Fahrrad, ideal, um einen Abend im Glas zu verbringen und in Ruhe zu schlafen" (was das genau bedeutet, weiß ich nicht, aber so steht's in Park4night). Um dorthin zu gelangen, muss ich durch enge Gassen im Stadtzentrum von Vitre. Die Zufahrt ist für Fahrzeuge > 3,5 t verboten. Der Parkplatz liegt in einer Sackgasse. Ein einziges Haus hat Sicht darauf, doch bei allen Fenstern sind die Außenjalousien geschossen. Ich denke, ich werde hier eine ruhige Nacht verbringen.


Zum Abendessen koche ich meine restlichen Lidl-Frikadellen.


Mein Weg durch Rennes:


Meine Route:



Kilometerstand: 5084 km (102 km gefahren).

Samstag, 29. Juni 2024

Frankreich, Tag 58 (Samstag, 29.6.2024): Die Legende von Artus

Das Thermometer flackert und zeigt unterschiedliche Temperaturen an, obwohl ich erst kürzlich eine neue Batterie eingelegt habe. Nach einem Reset beruhigt es sich zwar wieder, aber ich weiß nicht, ob 15 Grad stimmen oder ob die Wetter-App mit 12 Grad recht hat. Ich checke die öffentliche Toilette am Parkplatz in Ploermel: der Seifenspender ist kaputt, und man muss sein eigenes Klopapier mitbringen, sie ist jedoch sauber. Der Himmel ist größtenteils bewölkt.


Ich habe in der Rother-App eine Wanderung gefunden, die durch einen Teil des größten Waldgebiets der Bretagne führt. Sie startet beim Schloss Trecesson, doch der dortige Parkplatz ist privat. Ich fahre nach Trehorenteuc, wo ich Ludwig auf einem Wanderparkplatz abstelle, von wo es nicht weit zu einem Teilstück der Tour ist.


Ich breche um 9:45 auf. Die Wanderung führt mich zum goldenen Baum beim Feenspiegel-Teich, durchs Tal ohne Wiederkehr (ich bin wieder da, hurra!), zu einer Kapelle (nicht zugänglich, da auf Privatgrund) und zum Chateau de Trecesson. Auf dem Rückweg gehe ich nach einer Yfood-Pause nicht durchs Tal ohne Wiederkehr, sondern steige einen felsigen Pfad hinauf und beim goldenen Baum hinunter. Nach dreieinhalb Stunden bin ich wieder bei Ludwig.











Die Legende von König Artus hat in dieser Gegend ihren Ursprung. In der kleinen Kirche in Trehorenteuc ...


... sieht man die Ritter der Tafelrunde in einem Fenster-Gemälde.


In Neant-sur-Yvel sitzen Artus ...


... und 4 Ritter am runden Tisch (an den anderen Gefährten wird noch gearbeitet).


Ein steinzeitliches Grab wird "Garten der Mönche" (Jardin aux Moines) genannt. Der Sage nach handelt es sich um versteinerte Mönche.


Im hohlen Stamm einer Eiche hat sich während der Französischen Revolution ein Priester namens Guillotin versteckt. Die Eiche wurde später nach ihm benannt (Le Chene de Guillotin).


Im Chateau de Comper befindet sich ein Zentrum der Artus-Sage.


Auch Merlins Grab kann besichtigt werden ...


... und natürlich Excalibur, das Schwert im Stein.


Letzteres befindet sich am See Lac de Tremelin. Auf dem Parkplatz P2 dürfen WoMos maximal 48 Stunden lang stehen. Wenn die PKWs der Tagesbesucher weg sind, müsste es hier sehr ruhig sein. Ich beschließe, die Nacht am See zu verbringen. Vielleicht gelingt es mir ja, das Schwert aus dem Felsen zu ziehen und als König nach Österreich zurück zu kehren.


Mein Abendessen: die zweite Hälfte der veganen Bratwürste.


Meine Wanderung:


Meine Route:



Kilometerstand: 4982 km (63 km gefahren).