Sonntag, 9. Juni 2024

Frankreich, noch einmal Tag 37 (Samstag, 8.6.2024): Straße der Leuchttürme!

Der Tag beginnt bewölkt bei 15 Grad. Ein paar kleine Camper haben ebenfalls diesen netten Hafen entdeckt (wahrscheinlich alles Park4night-User). Auch wenn ein Aufstelldach durchaus nützlich ist, würde ich für Ludwig junior keines wollen, da dadurch sofort ersichtlich ist, dass es sich um ein "zum Schlafen umgebautes Fahrzeug" (wie es auf Schildern in Frankreich - natürlich in Französisch - schlauerweise heißt) handelt.


Um 9:08 Uhr springt der Kilometerstand auf 3333,3 km.


Über eine holprige, eineinhalbspurige Straße gelange ich zu einem kleinen offiziellen Stellplatz (max. 48 Stunden). Ich bezweifle, dass er oft benutzt wird, da er zu schief ist. Bis zur vom Teufel gebauten Pont du Diable (laut WoMo-Reiseführer die älteste Brücke der Bretagne) sind es 200 m durch den Wald. Bei Flut steigt das Wasser der Flussmündung so hoch, dass man die Brücke nicht überqueren kann.


Als ich die Markierungen, die ich in Google Maps gesetzt habe, kontrolliere, bemerke ich, dass ich einen Leuchtturm! übersehen habe. Ich fahre zurück in Richtung Lilia, stelle Ludwig auf einer Schotterfläche neben der Hauptstraße ab und gehe hin.


Ein Aussichtspunkt auf den Aber Wrac'h bietet sich für ein paar Fotos an. Ein Aber ist "ein ehemaliger Flusslauf, der vom Meer überflutet wurde und als gezeitenabhängiger Arm einem Fjord ähnlich weit und tief ins Land einschneidet" (WoMo-Reiseführer).


Der Ort Aber Wrac'h - Landeda hat am Hafen den kleinen Leuchtturm! Phare de Saint-Antoine zu bieten.


An der Landspitze Pen Enez (kein Nachtparkverbotsschild, allerdings ist hier das Naturschutzgebiet Dunes de Saint-Marguerite) treffe ich zwei alte Bekannte: den Leuchtturm! Phare de l'Ile Vierge und dessen Vorgänger, jedoch etwas weiter weg als gestern.


Ich mache Mittagspause und verschnabuliere Brot mit Mortadella und Käse.


Einige meiner Vorräte gehen zur Neige, darum suche ich den nächsten Lidl für einen Wochenend-Einkauf (er wartet in Ploudalmezeau auf mich). Hurra, es gibt Mini-Berner! Ich nehme gleich zwei Packungen für vier Mahlzeiten, aber ein Blick auf das Ablaufdatum (3.6.) lässt sie mich wieder zurücklegen. Wasser ist bis auf die teuren Sorten vergriffen, aber davon habe ich noch ausreichend, bis ich zu einem weniger... ich will nicht sagen hinterwäldlerisch, denn es gibt in der Bretagne nur noch wenig Wald... also, bis ich zu einem anderen Lidl komme.


Für ein paar Minuten nieselt es so fein, dass im Regenradar nichts davon zu sehen ist. Mein Navi scheint seit kurzem zu spinnen, die Routenfarbe ist hier plötzlich türkis, wobei ich nicht weiß, was das zu bedeuten hat. Es will mich ständig kreuz und quer durch Wohngebiete und danach durchs Stadtzentrum von Ploudalmezeau leiten, was eine sehr schlechte Idee ist, da dort irgendeine Veranstaltung für Straßensperren sorgt. Schließlich suche ich in Pocket Earth eine Route und ignoriere das Navi, bis es sich bequemt, die andere Routenführung zu akzeptieren. Ich fahre ein Stück zurück, um der Tour 10 aus dem WoMo-Reiseführer zu folgen. Auch in Saint-Pabu gelange ich in Gegenden, die nicht für Wohnmobile gedacht sind. Diesmal bin ich aber selbst schuld, denn ich habe einen Zwischenstopp möglichst nahe am Aber Benoit eingegeben. So kann ich jedoch immerhin ein Foto mit Aussicht schießen.


Da der WoMo-Reiseführer erwähnt, dass in dieser Gegend viele Parkplätze für WoMos gesperrt sind, möchte ich einen begutachten, der unter Vorbehalt als übernachtungsgeeignet angeführt ist. Erfreulich: Camping-Cars sind hier willkommen :-)


Es stimmt, viele Parkplätze weisen Höhenbeschränkungen oder ein Nachtparkverbot für Camping-Cars auf, aber ich komme auch an solchen ohne Einschränkung vorbei - zwar ohne Meerblick, ...


... aber bis zu den Dünen sind es nur 100 m.


Am Hafen von Portsall mache ich ein paar Fotos. Bei Ebbe liegen die Boote wie gestrandete Wale herum.


Laut Park4night ist das Übernachten auf einem Parkplatz in Tremazan gestattet. Er ist zwar leicht schief, ...


... aber man hat einen herrlichen Ausblick aufs Meer.


Die Straße führt nun direkt an der Küste entlang. Dankenswerterweise wurden immer wieder Parkbuchten für einen Fotostopp angelegt.


Die Wolkendecke ist heute hartnäckig, aber als ich die Kapelle Saint-Samson erreiche, beginnt sie aufzulockern.


In Argenton lasse ich Ludwig auf einem Längsparkplatz an der Hafenstraße zurück und gehe 300 m zu einem Kreuz auf einem Felsen.


Auf einem Inselchen trotzt der Leuchtturm! Phare du Four den Atlantikstürmen (die während meiner Reise nicht stürmisch, ja meistens nicht einmal sonderlich windig waren).


Es ist 17 Uhr - Zeit, um darüber nachzudenken, wo Ludwig und ich heute schlafen werden. Da ich heute auf der Straße der Leuchttürme! unterwegs bin und schon mehrere gesehen habe, möchte ich mit einem schönen Exemplar in einer schönen Gegend aufhören. Ich checke in Park4night, wie die Übernachtungssituation in Le Conquet (einer "kleinen Stadt mit Charakter") ausieht - offenbar besser, als sie im WoMo-Reiseführer dargestellt wird. Ich gebe die Koordinaten eines ca. eineinhalb Kilometer vom Phare de Kermorvan entfernten Parkplatzes ins Navi ein, was eine Fahrt von rund 25 km bedeutet. Der Parkplatz ist zweigeteilt: vorne können WoMos stehen, der hintere Teil ist offensichtlich für PKWs vorgesehen - aber die Querstange der Höhenbeschränkung fehlt (laut einem Kommentar in Park4night schon seit mindestens zwei Monaten). Dort ist man von der Straße nicht zu sehen und hört das Meer rauschen. Es darf nur niemand kommen und eine neue Querstange montieren, denn dann habe ich ein Problem - aber da wäre ich nicht der einzige.


Ich marschiere sofort los in Richtung auf den Leuchtturm! Phare de Kermorvan, gehe jedoch - wo immer es möglich ist - auf dem Zöllnerpfad und umrunde die Halbinsel. Das Licht passt um diese Tageszeit fürs Fotografieren, die Aussichten auf die Stadt Le Conquet, die Klippen und das Meer sind toll, und auch die Wolken passen fast (fast deshalb, weil sie sich im Westen zunehmend auflösen und bis Sonnenuntergang völlig verschwunden sein werden - aber das bin ich ja gewohnt). Ich erreiche die Festung Fort de l'Ilette und bald danach den Leuchtturm! In einigen Kilometern Entfernung ist außerdem der Leuchtturm! Phare de Saint-Mathieu zu erkennen. Die Wanderung ist eigentlich kurz (weniger als 6 km), aber ich brauche zweieinhalb Stunden, weil ich so oft stehen bleiben muss, um zu fotografieren. Hier einige Aufnahmen: 














Ich habe keine Zeit zu kochen, darum esse ich Sardinen und Baguette. Nach einer halben Stunde Pause breche ich um 21 Uhr gleich wieder auf, um zum Leuchtturm! zu gehen (diesmal auf dem kürzesten Weg, der zu einem letzten Parkplatz mit Campingverbot führt und danach für Autos gesperrt ist). Ein Blick nach rechts macht mich auf einen blinkenden Turm aufmerksam: noch ein Leuchtturm!, nämlich jener von Trezien (diesen und noch einen weiteren habe ich ausgelassen, als ich von Argenton nach Le Conquet gefahren bin). Nach dem Sonnenuntergangs-Fotoshooting bin ich um 22:40 wieder bei Ludwig. Ins Bett komme ich erst kurz nach 1 Uhr, da ich noch Fotos für den Blog aussuche und vorbereite. Nachfolgend ein paar Bilder:






Meine Wanderung:


Meine Route:



Kilometerstand: 3447 km (116 km gefahren).