Ein Sonntag mit Sonne ganz allein auf einem ruhigen Stellplatz bei 13 Grad - was will man mehr? Jedenfalls besser als ein Donnerstag mit Donner oder ein Montag mit Mohn, von einem Dienstag mit Dienst ganz zu schweigen. Hat mir heute jemand Scherzkekse ins Müsli gemischt?

Aber ich habe Dienst: ich muss den Abwassertank und den Urinkanister leeren und den Wassertank füllen, und etwas Kehren schadet auch nicht.

Ich befinde mich rund 20 km Luftlinie von Brest entfernt. Mit 140.000 Einwohnern ist es hinter Rennes die zweitgrößte Stadt der Bretagne. Da der Besuch großer Städte an einem Sonntag einfacher ist (weniger Verkehr, mehr freie Parkplätze, die zudem oft gratis sind), beschließe ich, Tour 8 aus dem WoMo-Reiseführer vorübergehend zu pausieren und Brest zu besichtigen. Das Navi führt mich zu einem großen, auch unter der Woche kostenlosen Parkplatz in der Nähe des Chateau de Brest, der zu ungefähr 50 Prozent belegt ist.

Ich bereite mich auf den Rundgang vor (Sonnencreme etc.) und esse ein frühes Mittagessen (Baguette mit Mortadella und Käse).

Um 11:15 marschiere ich los, zuerst zum Turm des Monument Americain, danach hinunter zum Hafen und zur Festung, in dem sich ein Marinemuseum befindet (nicht besucht). Über die Recouvrance-Hebebrücke gelange ich auf die andere Seite des Flusses Penfeld und zum Tanguy-Turm mit einem kleinen Museum über das alte Brest (Eintritt frei). Ich gehe weiter zum Kulturzentrum Les Ateliers des Capucins. Von hier bringt mich eine Seilbahn über den Fluss (ich kaufe zuerst ein Ticket um 1,70 Euro und bemerke dann, dass es offenbar für eine Fahrt mit einem Bus oder der Straßenbahn gilt; für die Seilbahn gibt es eine spezielle Fahrkarte um 2,20 Euro). Von hier führt eine Fußgängerzone zum Hotel de Ville. Das Zentrum von Brest wurde im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört und danach mit langen geraden bzw. rechtwinklig angeordneten Straßen wieder aufgebaut. Die moderne Kirche St. Louis wurde in den 1950er Jahren neu errichtet. Die Kirche Saint-Martin sieht älter aus. Von hier gehe ich Richtung Hafen und zum Parkplatz, wo ich um 15:30 bei Ludwig eintreffe. Nachfolgend einige Fotos des Rundgangs:
















Ich stelle fest, dass der Leuchtturm! Phare du Portzic weniger als 6 Kilometer entfernt ist - da muss ich unbedingt noch hin! Es werden dann aber mehr Kilometer, denn ein Verbotsschild für Fahrzeuge über 2 t zwingt mich, kreuz und quer durch Wohngebiete eine andere Zufahrt zu suchen. Der anvisierte Parkplatz ist voll. Bald danach kommt noch einer, der fast leer ist - aber leider mit Höhenbeschränkung. Vor der Zufahrt kann ich Ludwig aber neben der Straße abstellen.

Beim unteren Parkplatz liegen Steinzeitrelikte dekorativ in der Gegend herum.

Der Leuchtturm! steht im militärischen Sperrgebiet. Ich hoffe, ich mache mich durch diese Aufnahme nicht strafbar.

6 km Luftlinie, 10 km auf der Straße sind es bis zum nächsten Leuchtturm! Phare du Petit Minou. Bei einem solchen Katzensprung sollte ich mir die dortige Parkplatzsituation ansehen! Der Platz ist schief, daher für eine Nacht nicht optimal, auch wenn es diesbezüglich kein Verbot zu geben scheint.

Vom Parkplatz geht man in Richtung Strand ...

... und dann einen Wanderweg etwas bergauf zu einem Fort (hier befindet sich ein sehr schiefer Parkplatz, wo man - wenn alles vollgeparkt ist - möglicherweise Probleme hat, mit einem WoMo umzudrehen).

Den Leuchtturm! erreicht man durch die Festung. Er ist außer Betrieb, denn die Lampe ist abgedeckt.

Der Himmel ist vollkommen wolkenlos, also wird es heute nichts mit einem fotogenen Sonnenuntergang. Aber ich will sowieso nicht hier bleiben. Morgen geht die Pfarrbezirks-Tour weiter, darum fahre ich zurück nach La Martyre. Obwohl mich das Navi Brest weitgehend umfahren lässt, bin ich - nach einigen abenteuerlichen Kreisverkehren und recht vielen Autos auf der Straße - froh, als ich die Umgebung der Stadt verlasse. Eine Baustelle, durch die meine Abfahrt von der Schnellstraße verhindert wird, verursacht einen Umweg über La Roche Maurice. Um 19:40 treffe ich nach einem durch die zwei Leuchttürme! deutlich anstrengenderen Tag als ursprünglich geplant in La Martyre ein. Bei mehr als 24.000 Schritten habe ich mir eine ausgiebige Portion Pasta Bolognese redlich verdient.

Mein Weg durch Brest:

Meine Route:


Kilometerstand: 3090 km (101 km gefahren).