Wie meistens stehe ich um 7 Uhr auf. Es ist etwas kühler als zuletzt, nämlich 12 Grad. Der Himmel ist bewölkt, aber so soll es nicht bleiben. Es haben 5 WoMos auf dem Parkplatz am Strand Plage de Kerfissien übernachtet, wobei ich glaube, dass der Campervan mit Aufstelldach zunächst näher am Meer auf dem Gras stehen wollte, ihn einige Einheimische von dort aber weggeschickt haben - nicht unfreundlich, aber doch.

Ich habe diese Szene nämlich beobachtet, als ich gerade von einem Sonnenuntergangs-Fotoshooting zurück gekommen bin (natürlich ohne zu verstehen, was geredet wurde). Fotografieweise haben gestern leider wieder die Wolken fast völlig gefehlt. Man kann zwar mit dem Teleobjektiv etwas tricksen, aber einen richtig farbenprächtigen Sonnenuntergang durfte ich bisher in Frankreich nicht erleben.

Als kleines Dankeschön, dass dieser Strandparkplatz weder Höhenbeschränkung noch Nachtparkverbot aufweist, kaufe ich in der Tabak-Bar vis-a-vis um 1,30 Euro ein Baguette. Um 9 Uhr fahre ich los. Hinter dem nächsten Strand folgt ein städtischer Campingplatz, bei dem mir gestern Abend aufgefallen ist, dass dort einige WoMos stehen, obwohl er erst Mitte Juni öffnen soll. Entweder stimmt diese Information nicht, oder es ist erlaubt, dort auch ohne Infrastruktur zu übernachten. Wenig später halte ich, um einen kleinen Hinkelstein zu fotografieren (auf diesem Parkplatz besteht Parkverbot zwischen 21 und 6 Uhr für alle Fahrzeuge - das finde ich okay, so werden WoMo-Fahrer nicht diskriminiert).

Deutlich größer ist der Menhir von Cam Louis. Ein zufällig gerade anwesendes wanderndes Paar macht eine Aufnahme von mir (sie sprechen zwar nicht englisch, aber man kann sich auch mit den Händen verständigen).

Bei den Dunes de Keremma nennt der WoMo-Reiseführer drei Parkplätze mit der Anmerkung, dass das Übernachten in der Hauptsaison möglicherweise untersagt ist. Ich steuere einen davon an. Derzeit sehe ich kein Verbotsschild, allerdings befinde ich mich in einem Naturschutzgebiet und würde mir einen anderen Platz suchen.

Im feinen Sand zu gehen ist recht anstrengend.

In Lesneven, einer Stadt mit 7.000 Einwohnern, muss ich auf Vorschlag des Navis das enge Zentrum durchfahren, wobei es (das Navi, nicht das Zentrum) mich einmal in eine nicht gekennzeichnete Sackgasse führt. Zum Glück kann ich mit dreimaligem Reversieren umdrehen. Mein Ziel ist das gleich angrenzende Städtchen Le Folgoet, ein Wallfahrtsort. Ein kostenloser Stellplatz befindet sich nur 100 m von der Basilika entfernt. Ich könnte Wasser tanken, habe aber noch genug.

Ich spaziere zur Kirche, ...

... neben der ein einfacher Calvaire, geschmückt mit einigen Blumenkisten, errichtet wurde.

Im Zentrum der Itron Varia ar Fol Coat (Bretonisch für "Kirche Unserer lieben Frau vom Narren im Wald") befindet sich ein granitener Lettner, der auch auf mehreren Bildschirmen live gezeigt wird. Ein Lettner ist laut Wikipedia "eine steinerne oder hölzerne, mannshohe bis fast raumhohe Schranke, die vor allem in Domen, Kloster- und Stiftskirchen den Raum für das Priester- oder Mönchskollegium vom übrigen Kirchenraum, der für die Laien bestimmt war, abtrennte."

Auf einer Wiese 200 m vor der Basilika versammeln sich am ersten Sonntag im September die Pilger.

Ich esse Thunfisch mit Baguette und entdecke, dass der nächste Lidl nur eineinhalb Kilometer entfernt ist. Man scheint hier etwas rückständig zu sein, denn am Eingang hängen noch Poster mit den Angeboten vom 22.5. und 29.5.

In der Nähe, genauer gesagt in Plouneour-Brignogan-Plages, gibt es einen Campingplatz namens Cote des Legendes, von dem ich eine Wanderung aus dem Kompass-Wanderführer unternehmen kann. Auf dem Weg dorthin sehe ich den Menhir Men-Marz, dem mit einem Kreuz die heidnischen Dämonen ausgetrieben wurden.

Ich treffe um 13:30 am Campingplatz Cote des Legendes ein ("Küste der Legenden" wird auch die Küste hier genannt). Die Rezeption ist von 9 bis 12 und von 14 bis 18 offen. Ich nutze die Zeit, um das Grauwasser zu entsorgen und den GPS-Track der Wanderung in Komoot zu importieren. Außerdem lade ich die Tour auf meine Uhr. Wie bestellt (bzw. wie von der Wettervorhersage prophezeit) verziehen sich die Wolken.

Die Übernachtung kostet ohne Strom 17,80 Euro (eigentlich für 2 Personen). Ich bekomme Parzelle 46 zugewiesen. Ich wasche die CPAP-Ausrüstung, dann richte ich mein Wander-Outfit her. Um 14:45 mache ich mich auf den Weg.

Ich gehe an der Küste entlang, die in punkto Felsblöcke der rosa Granitküste durchaus das Wasser reichen kann (nur dass der Granit nicht so rosa-orange ist wie bei Ploumanac'h). Ich erreiche einen Leuchtturm!, der gar keiner ist, sondern ein Semaphor, eine vom Militär betriebene Überwachungsstation. Ein echter Leuchtturm! folgt jedoch später, nämlich der Phare de Pontusval. Die Wanderung folgt weiter der Küste und karibisch anmutenden Stränden und dauert länger als geplant, da es so viel zu fotografieren gibt. Ich erreiche Meneham, ein Museumsdorf. Ab jetzt marschiere ich im Landesinneren meistens auf Feldwegen. Den Menhir Men Marz kenne ich bereits. Nach fast vier Stunden erreiche ich Ludwig. Nachfolgend Fotos der Wanderung:









Ich habe allerdings nur wenig Zeit. Ich koche ein Pastagericht als Abendessen und mache mich kurz nach 20 Uhr wieder auf den Weg, denn ich möchte den Leuchtturm! bei Sonnenuntergang fotografieren.

Nach einem Kilometer passiere ich die Chapelle Pol.

Ich habe richtiges Pech mit dem guten Wetter: auch heute ist der Himmel wolkenlos. Hier ein paar Abendaufnahmen:






Um 22:30 bin ich wieder am Campingplatz, wo ich das Geschirr abwaschen, duschen und die Fotos sichern muss. Für ein Blog-Posting ist es schon zu spät. Um 1 Uhr falle ich müde ins Bett.
Meine Wanderung:

Meine Route:


Kilometerstand: 3289 km (43 km gefahren).