Nach der gestrigen anstrengenden Besichtigung von Brest und zwei Leuchttürmen! steht heute ein leichterer Tag auf dem Programm: die Fortsetzung der Tour zu umfriedeten Pfarrbezirken. Das Wetter: Sonnenschein bei 13 Grad.

Ich ergänze meinen Baguettevorrat beim Brotverkaufsautomaten und breche kurz nach 9 Uhr auf. Ploudiry wurde von den Autoren des WoMo-Reiseführers übersehen, aber auf den Müller-Reiseführer ist Verlass. Nach schon einem Kilometer erreiche ich den kleinen Pfarrbezirk, bestehend aus Kirche (die renoviert wird und nicht zugänglich ist), Friedhof, Beinhaus und Mauer.

Der Calvaire besteht lediglich aus vier Figuren, und die Plätze für die Apostel beim Eingang sind zwar vorhanden, aber leer. Der Portalbogen wird jedoch von kleinen Granitfiguren umrahmt.

Vor dem Gemeindeamt sind Stickereien ausgestellt - dienen sie zur Zierde, als Unterlagen oder gar, um Träume zu fangen?

Ab jetzt versorgt mich wieder der WoMo-Reiseführer mit GPS-Koordinaten. Der Parkplatz in La Roche-Maurice direkt beim Enclos Paroissial wirkt übernachtungsgeeignet und kann mit einem öffentlichen WC aufwarten.

Die Kirche besitzt einen für ihre Größe überdimensionierten Turm.

Der Calvaire hingegen ist unterdimensioniert und besteht nur aus drei Kreuzen. Über einem Taufbecken am Beinhaus lauert Ankou, der Tod.

Leider ist die Kirchentür versperrt. Ich gehe 150 m weiter, wo eine Ruine, die man auf einem Wanderpfad - vorbei an Schafen - ...

... umrunden kann, auf Fotografen wartet.

Danach will ich noch einmal die Kirchentür probieren und treffe ein französisches Touristenpaar (sie spricht sehr gut englisch), das mit jemandem geredet hat, der eine Dame angerufen hat, die den Schlüssel hat. Sie kommt kurz darauf. Es stellt sich heraus, dass die Tür offen ist, jedoch etwas klemmt, so dass man fest dagegen drücken muss. Ich bin froh, dass ich nicht gleich abgefahren bin, denn die kleine Kirche mit bemalter Holzdecke und geschnitzten Holzbalken ist einen Besuch wert. Interessanterweise befinden sich die Apostel und Szenen, die sonst auf einem Calvaire dargestellt werden, in La Roche-Maurice im Inneren der Kirche.

Ich fahre weiter in die 10.000-Einwohner-Stadt Landivisiau, finde den Stellplatz nicht (ich hätte im Kreisverkehr die dritte und nicht die zweite Ausfahrt nehmen sollen, und stelle Ludwig am Straßenrand ab. Von hier spaziere ich zum Hauptplatz. Landivisiaus Kirche steht in keinem Pfarrbezirk.

Ich fahre auf die andere Seite der Stadt zum Lidl-Parkplatz, wo ich Thunfisch und das Baguette aus La Martyre esse und danach einkaufen gehe. Ich brauche u.a. Nachschub für meinen Apfelsaft-Vorrat. Eisbergsalat nehme ich nicht, weil das Ablaufdatum heute ist, und Berner gibt es leider wie so häufig nicht. Ludwig bekommt bei der Esso-Tankstelle neben dem Lidl-Parkplatz 70 Liter Gazole um 1,644 Euro pro Liter spendiert.

Das nächste Etappenziel stammt wieder aus dem Müller-Reiseführer. Endlich sehe ich wieder ein "Straße gesperrt"-Schild. Ich ignoriere es und stelle erfreut fest, dass die Sperre erst hinter Bodilis kommt. Ich parke Ludwig vor dem Eingang zum Pfarrbezirk - vermutlich ist das gar kein Parkplatz.

In der Kirche gefallen die geschnitzten Holzbalken und die Altäre.

In Lampaul-Guimiliau gibt es einen kostenlosen Stellplatz gleich nach dem Ortszentrum.

Der Kirchturm verlor 1809 seine Spitze durch Blitzschlag. Von außen sieht die Kirche wenig spektakulär aus, desgleichen das Triumphtor mit integriertem Calvaire und der zweite, sehr einfache Calvaire dahinter.

Das Kircheninnere hingegen ist grandios. Die drei Altäre sind farbig gestaltet, wobei Gold dominiert.

Der Passionsaltar auf der linken Seite zeigt u.a. das letzte Abendmahl.

Rechts hinten steht ein Taufbecken, ...

... links hinten aus Kalktuff gemeißelte, bemalte Statuen mit dem toten Jesus und einigen Trauernden.

Ein kurzer Moment der Müdigkeit nach der anstrengenden Besichtigung von Brest und zwei Leuchttürmen! gestern lässt mich überlegen, in Lampaul-Guimiliau zu übernachten. Ein Kommentar in Park4night aus dem vergangenen September erwähnt Leute, die in umgebauten LKWs hier dauerhaft wohnen, in der Nacht betrunken herumgrölen und Kampfhunde frei herumlaufen lassen. Besagte LKWs sind noch immer da. Zwar sehe ich derzeit keine Hunde, und es grölt auch niemand (es ist aber auch noch nicht einmal 16 Uhr), doch ich will es nicht darauf ankommen lassen und fahre eine Handvoll Kilometer weiter nach Guimiliau (ohne Lampaul). Auch hier gibt es einen kostenlosen Stellplatz gleich nach dem Dorfzentrum (ohne Dauerbewohner).

Ich spaziere zum Pfarrbezirk. Wenn man ihn durchs eher schlichte Triumphtor betritt, fällt sofort der Calvaire ...

... mit rund 200 Granitfiguren ins Auge.

Die Apostel links und rechts vom Kircheneingang waren früher wohl bemalt. Die Farben sind aber längst verblasst.

Im Inneren der Kirche hat der Holzbaldachin über dem Taufbechen gerade noch Platz.

Überall sieht man Holzschnitzereien, so auch am Unterbau der Orgel.

Die Altäre sind wie in Lampaul-Guimiliau farbig mit viel Gold.

Es ist fast 17:30. Ich beschließe, Feierabend zu machen und in Guimiliau, der vorletzten Etappe der Tour de enclos paroissiaux, zu schlafen. Ich koche gebratene Nudeln mit Thai Curry Geschmack. Eine Packung Salat habe ich auch noch im Kühlschrank.

Meine Route:


Kilometerstand: 3134 km (44 km gefahren).