Donnerstag, 18. Mai 2023

Albanien und mehr, Tag 22 (Donnerstag, 18.5.2023)

Nach einer ruhigen Nacht (später in der Saison, wenn die Fischrestaurants viele Gäste haben, wird das wohl nicht mehr der Fall sein), stehe ich kurz vor 7 Uhr auf. Die Sonne scheint, manchmal von dünnen Wolkenschleiern leicht verdeckt. Die Temperatur beträgt 15 Grad. Sollte das Wetter so bleiben, kann ich nicht darüber klagen. Als ich ein paar Fotos mache, bemerke ich, dass sich noch ein vierter Camper dazugesellt hat.


Ich halte für ein paar Aufnahmen am Damm ...


... und fahre dann zur Autobahn, die ich auf einer Brücke überquere. Das Navi führt mich geradewegs durch die Stadt Lac (später sehe ich, dass das nicht die beste Route ist, aber ohne Copilot tut man sich schwer), wobei sich einmal mitten auf der Straße ein Kanalschacht ohne Abdeckung befindet (hier in der Nacht zu fahren, ist keine gute Idee). Dann geht es in einigen engen Serpentinen teilweise steil (1. Gang) bergauf. Oben befindet sich ein riesiger Schotterparkplatz. Laut Womo-Reiseführer ist der am 13. Juni voll.


Ich befinde mich hier bei der Wallfahrtskirche Kloster Lac, dem wichtigsten Wallfahrtsort Albaniens. Das Kloster wurde unter den Kommunisten zerstört und 1990 neu aufgebaut. Eine Marienkapelle und ein großes Betonkreuz auf dem Gipfel stimmen darauf ein.


Ich steige zum Kreuz hinauf. Man sieht hinunter zur Stadt Lac. Im Dunst sind die Lagune von Patok und das Meer gerade noch zu erkennen.


Ich gehe weiter, in Erwartung einer gewaltigen Kathedrale. Tatsächlich ist die Kirche aber vergleichsweise winzig.


Bei der Rückfahrt kommt die Bergabfahrhilfe des Fiat Ducato zum Einsatz. Diesmal zeigt mir das Navi den korrekten Weg durch Lac (noch mehr Kanalschächte ohne Deckel, aber ganz am Straßenrand und daher ungefährlich). Ich kehre zur Autobahn zurück, die nach 10 km in einem Kreisverkehr endet. Der Verkehr wird stärker. Die Straße weist immer wieder rumpelige Stellen auf (die Schlaglöcher sind zwar nicht tief, es schadet aber trotzdem nicht, sie möglichst zu vermeiden). Die Durchfahrt durch den Stau von Fushe-Kruje erfordert hundertprozentige Aufmerksamkeit. Außerhalb der Stadt geht es dann bergauf. Ich halte bei einer Serpentine, um ein Gebetshaus des Missionars Sari Saltik zu fotografieren.


Ich programmiere mehrere Parkmöglichkeiten in Kruja (aus dem Womo-Reiseführer) ins Navi. Die erste, eine Schotterfläche etwas außerhalb der Stadt, ist durch einen Zaun unzugänglich. Die zweite ist voll, aber der Parkplatz hinter dem Hotel Panorama bietet Platz. Das Parken hier ist teuer (10 Euro für den Tag, keine Stundentarife, und fürs Übernachten würden noch einmal 10 Euro kassiert werden - Angebot und Nachfrage!).


Ich spaziere durch die Basarstraße zuerst zum Hotel Panorama und dann eine verkehrsberuhigte Straße hinunter. Zurück marschiere ich entlang der Hauptstraße, über die ich zum Parkplatz gelangt bin, vorbei an einem Reiterdenkmal von Skanderbeg. Dann spaziere ich zur Burg, wo sich das Skanderbeg-Museum befindet. Unterhalb der Burg wandere ich durch einige enge, steingepflasterte Straßen mit Wohnhäusern aus osmanischer Zeit und einer renovierungsbedürftigen kleinen Moschee (daneben ein mehr als 500 Jahre alter Olivenbaum, den Skanderbeg gepflanzt haben soll). Ein Mann führt mich hinein, zeigt mir arabische Inschriften und eine Art Wohnung (ich verstehe natürlich wenig, nur ein paar italienische Worte klingen vertraut). Ich revanchiere mich mit einer kleinen Spende für die Restaurierung. Nachfolgend ein paar Fotos des Rundgangs durch Kruja:















Kruja liegt auf rund 550 m Seehöhe. Mein nächstes Ziel befindet sich doppelt so hoch, nämlich auf dem Berg über Kruja: das Sari-Saltik-Heiligtum der Bektashi-Bruderschaft (die laut Womo-Reiseführer christliche Elemente wie Zölibat, Eucharistie und Heiligenverehrung mit buddhistischer Bewusstseinswanderung und islamisch-schiitischem Gedankengut vereint). Ludwig und ich quälen uns durch die engen Gassen von Kruja, dann führt die Straße (zuerst noch mit ein paar Engstellen, dann ausreichend breit) spektakulär an der Felswand entlang. Einige Serpentinen lassen sich nur im 1. Gang bewältigen. In Gipfelnähe stelle ich Ludwig auf einem Parkplatz ab. Leider liegt der Berg im Nebel, so dass ich auf eine schöne Aussicht verzichten muss.


Der Bektashi-Missionar Sari Saltik ...


... hat hier am Berg gelebt.


Während ich den Blog schreibe (und dabei immer wieder Sicherungskopie anlege), bemerke ich plötzlich Sonnenschein. Hinter Ludwig ist die Wolkendecke aufgerissen. Jetzt sehe ich, dass es in der Nähe ein Restaurant gibt. 


Ein paar Minuten später stehe ich wieder komplett „eingenebelt“, und für ein paar Minuten fällt leichter Regen. Dann viel Regen, aber nur für wenige Minuten, und gegen 19 Uhr ist die Sicht nach Westen frei (mit dem Nachteil, dass man von der Sonne geblendet wird). Ich habe hier leider nur eine schlechte Internetverbindung (die nicht ausreicht, um Fotos zu posten), beschließe aber, die Nacht auf diesem Parkplatz zu verbringen.


Mein Weg durch Kruja: 


Meine Route:



Kilometerstand: 2125 km (61 km gefahren).