Zunächst geht es die SH3 in Serpentinen bergab. Dass hier wenige Autos unterwegs sind, zeigt sich daran, dass ein Hund die Straße als Schlafplatz erkoren hat. Ich erreiche die Autobahn (die hier sehr gut in Schuss ist) und biege nach dem Tirana-See in Richtung Zentrum ab. Prompt erwische ich in einem Kreisverkehr die falsche Ausfahrt und muss durch ein paar enge Gassen (gut, dass ich so früh unterwegs bin). Schließlich führt mich das Navi zu den Koordinaten aus dem Womo-Reiseführer, nur befindet sich hier kein Parkplatz. Also Plan B - ein Parkplatz, der in Park4night eingetragen ist. Den finde ich ohne Probleme. Ich hatte erwartet, dass jemand anwesend ist, doch das Kassenhäuschen ist unbesetzt. Es stehen einige Autos da (darunter ein deutscher PKW mit Aufstelldach, in dem jemand schlafen dürfte), aber Ludwig hat noch genügend Platz. Nachdem ich gefrühstückt habe, ist auch der Platzwart da. Wenn ich ihn richtig verstehe, sagt er, dass die Stundentarife nur für PKWs gelten, für ein Wohnmobil müsse ich jedoch 1000 Lek bezahlen und dürfe 24 Stunden hier stehen. Als ich am Nachmittag abfahre, reiche ich ihm einen 1000-Lek-Schein und erhalte 500 Lek Wechselgeld.
Vor mehr als 20 Jahren war ich beruflich in Tirana. Ich kann mich kaum mehr daran erinnern, ich weiß nur noch, dass ich im Hotel Tirana International gewohnt habe (das gibt es noch, wird jetzt aber vom gleich dahinter befindlichen, mehr als doppelt so hohen Intercontinental überragt) und dass man beim Gehen wegen fehlender Kanaldeckel aufpassen musste. Ich habe deshalb lange überlegt, ob ich mir Tirana überhaupt „antun“ soll. Im Nachhinein bin ich froh darüber, denn Tirana ist heutzutage eine sehr sehenswerte Stadt. Ich besuche das Museum Bunk‘Art 2 in einem ehemaligen Atombunker des Innenministeriums, das sich mit den Gräueln der kommunistischen Diktatur befasst, ich esse beim Burger King um 1120 Lek zu Mittag, ich amüsiere mich über einen Imbissstand mit der Aufschrift „Wiener Wurst“, und da gerade eine Messe stattfindet, marschiere ich ein zweites Mal zur Pauluskathedrale, um ein Porträt von Mutter Teresa zu fotografieren. An einem Spar-Supermarkt komme ich auch wieder vorbei. Und natürlich ist Skanderbeg in Tirana vertreten, einerseits als Reiterstatue und andererseits als Namensgeber des zentralen Platzes. Das erste Kino in Albanien habe ich auch gesehen. Es zeigt u.a. „Guardians of the Galaxy 3“ - den Film hätte ich mir gern angeschaut.
Tirana zu verlassen ist sehr einfach. Der Parkplatz liegt an einem breiten Boulevard, dem ich nur zu folgen brauche. Bald erreiche ich eine autobahnähnliche Umfahrungsstraße und schließlich die echte Autobahn nach Elbasan (eine Industriestadt, auf deren Besuch ich verzichten werde). Der Übernachtungsplatz aus Park4night ist etwas umständlich anzusteuern, weil sowohl Google Maps als auch Here mit den Koordinaten nicht zurecht kommt. Es handelt sich um einen Parkplatz etwas oberhalb eines Sees, der offenbar zu einer Tourismusattraktion ausgebaut werden soll (gemeint ist der See, nicht der Parkplatz). Der Parkplatz sieht aber etwas verwahrlost aus (zwischen den Beton-Bodenplatten wächst Gras, und ein Teil der Sonnenschutz-Überdachungen ist zerrissen). Ach ja, damit ich‘s nicht vergesse: Ludwig bekommt einige Liter Diesel spendiert.
Mein Weg durch Tirana:
Meine Route:
Kilometerstand: 2443 km (111 km gefahren).