Die gut ausgebaute Straße verläuft durch eine leicht hügelige Landschaft. Kurz vor Kucova tauchen rostige Ölförderpumpen auf, die in Betrieb sein dürften. Mein heutiges Ziel ist die Stadt Berat. Aus Park4night habe ich die Koordinaten einer zentrumsnahen Autowäsche, deren Inhaber durch die Vermietung von Parkplätzen etwas dazu verdient. Die letzten eineinhalb Kilometer gerate ich in einen Stau. Ich stelle Ludwig auf der ebenen Schotterfläche ab, wo ein paar weitere Womos stehen (ein Franzose, ein Schweizer und ein Brite). Ich werde hier nächtigen, wofür ich 500 Lek bezahle. Dafür bekomme ich auch das WLAN-Passwort, mit dem ich aber keine Verbindung bekomme. Macht nichts.
Berat, das auch Stadt der 1000 Fenster genannt wird, ist zweifellos ein Highlight jeder Albanien-Tour. Die Altstadt ist gemeinsam mit jener von Gjirokastra ein UNESCO-Welterbe. Ich breche um 9:30 auf und folge zunächst der Hauptstraße am Fluss entlang bis zu einer Fußgängerbrücke, über die ich in den Stadtteil Gorica gelange. Am anderen Ende dieses Stadtteils befindet sich eine Steinbogenbrücke, die ebenfalls Fußgängern und Radfahrern vorbehalten ist. Ich kehre zur ersten Brücke zurück und steige zu einer kleinen Kirche hinauf, die auf halber Höhe des Burgbergs erbaut wurde. Ein Mann erklärt mir auf Italienisch einiges über die Kirche, wovon ich natürlich wenig verstehe (man sollte viel mehr Fremdsprachen lernen). Inzwischen ist die Temperatur auf 27 Grad gestiegen, was mich beim Aufstieg zur Burg auf einer steilen, gepflasterten Straße gehörig ins Schwitzen bringt. Oben raste ich für ein paar Minuten und erfrische mich mit einem Eis und einer Dose Cola um 350 Lek, ehe ich die ausgedehnte Burg besichtige. Danach spaziere ich wieder bergab und komme u.a. an der Königsmoschee, der Bleimoschee und der orthodoxen Kirche vorbei. Ein großes Gebäude, das an das Capitol erinnert, stellt sich als Hotel Colombo heraus. Um zwei Uhr habe ich den Rundgang beendet. In Ludwig beträgt die Temperatur 43 Grad - rasch öffne ich Tür und Dachluke, um etwas Zugluft zu erreichen.
In Albanien habe ich noch keinen einzigen Supermarkt am Ortsrand mit Parkplatz gesehen (auch nicht in größeren Städten). Die meisten Lebensmittelgeschäfte sind winzig und befinden sich - so wie auch gelegentliche mittelgroße Supermärkte von Ketten wie Spar, Conad oder Big Market - mitten im Ortsgebiet, wo ich mit Ludwig erstens schwer hinkomme und zweitens nicht parken kann. In Berat habe ich im Zentrum einen Conad-Supermarkt entdeckt, zu dem sogar eine Tiefgarage gehört (die mir natürlich nichts nützt). Nachdem ich mich ausgeruht habe, leere ich den Wanderrucksack und packe eine Tragtasche ein und gehe ein paar hundert Meter, um meine Lebensmittelvorräte zu ergänzen (insbesondere Brot und Fruchtjoghurt werden benötigt). Nach dem Einkauf setze ich mich neben Ludwig und schreibe den Blog. Eine dunkle Gewitterwolke zieht auf. Um 16:30 vertreibt mich Regen ins Wageninnere, das inzwischen auf aushaltbare 28 Grad abgekühlt ist (draußen hat es nur noch 23 Grad). Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei.
Da ich kein Mittagessen hatte (außer eine Tüte Eis), koche ich bereits um 16:45 ein kombiniertes Mittags- und Abendessen, nämlich Eierspeise mit grünem Salat. Danach fülle ich den Wassertank (Wasser gibt es in einer Autowäsche ja mehr als genug) und setze mich wieder ins Freie, um im Internet Zeitung zu lesen.
Mein Weg durch Berat:
Meine Route:
Kilometerstand: 2477 km (34 km gefahren).