Mittwoch, 7. Mai 2025

Spanien, Tag 16 (Mittwoch, 7.5.2025): Wanderung zum Nervion-Wasserfall

Ich habe die Nacht am Wanderparkplatz nahe des Dorfes Untza südlich von Bilbao allein verbracht. Erst am Morgen, während ich frühstücke, kommt ein PKW mit Wanderern. Der Himmel ist leicht bewölkt. Die Temperatur beträgt 8 Grad.


Gestern Abend habe ich in Komoot entdeckt, dass auch von hier eine Wanderung zum Nervion-Wasserfall möglich ist (zuvor dachte ich, ich müsse auf die andere Seite der Schlucht des Flusses Nervion fahren), die zwar deutlich länger ist, die aber - wie sich zeigen wird - viel schöner ist, weil man immer wieder wunderbare Ausblicke auf die Schlucht hat. Ich werfe mich ins Wander-Outfit, packe den Rucksack und mache mich um 8:50 Uhr auf den Weg.


Ich folge einer Tour, die ich in Komoot gefunden und auf Handy und Uhr gespeichert habe. Zuerst gehe ich auf einer Forststraße, die bald Vierradantrieb erfordern würde, wenn das Befahren erlaubt wäre. Bald weiche ich aber von der Komoot-Route ab, denn man kann auch abseits von Wegen direkt am Rand der Schlucht (gesichert mit Stacheldraht-Zaun) entlang marschieren. Wasserlacken und matschige Stellen aufgrund der kürzlichen Regenfälle machen es öfters erforderlich, entweder auf Steinen zu balancieren oder kleine Umwege einzulegen. Eine Herde Kühe hat es sich in Zaunnähe gemütlich gemacht (die Rindviecher wissen halt auch, wo es schön ist) - ich weiche über die Wiese aus, einen Respektabstand von mindestens 20 m einhaltend. Auf der anderen Seite der Schlucht kommt der Nervion-Wasserfall ins Blickfeld. Es ist der höchste Wasserfall Spaniens mit einer Fallhöhe von 222 bis 270 m (je nach Webseite). Er führt weniger Wasser als auf dem Foto in der Tourismus-Broschüre, aber immerhin ist er nicht ausgetrocknet (was auch vorkommt). Dass nicht allzu viel Wasser fließt, stellt sich bald als vorteilhaft heraus, denn ich muss in die hier nicht mehr sehr tiefe Schlucht hinunter und den Fluss (bzw. eigentlich das Bächlein) überqueren. Ich finde eine Stelle, wo dies auf Steinen trockenen Fußes möglich ist. Man muss darauf achten, nicht auf Felsen zu treten, über den eine dünne Schicht Wasser fließt, denn dort ist es ziemlich rutschig. Wo der Komoot-Wanderer, dessen Tour ich kopiert habe, auf der anderen Schluchtseite hinaufgestiegen ist, ist es mir zu steil, aber es gibt eine Art Weg nach oben (der tatsächlich auch zu einem Durchlass im Stacheldraht-Zaun führt). Bald danach erreiche ich eine Aussichtsplattform. Zwei Franzosen sind mit Motorrädern hierher gefahren (ich bezweifle, dass das legal ist) und machen Drohnenaufnahmen. Ich gehe weiter. Auf dieser Seite der Schlucht gibt es keinen Zaun, aber der Pfad weist immer einen Abstand von ein bis zwei Metern (meistens mehr) zum Abgrund auf. Ich begegne einem Paar und danach einem einzelnen Wanderer. Kurz vor Mittag erreiche ich eine weitere Aussichtsplattform, wo ich eine Pause einlege und mich mit einer Flasche Yfood stärke. Ich gehe von hier aus auf einer Schotterstraße durch Wald und gelange zu einem Parkplatz. Jetzt begegne ich mehr Menschen (das Paar von vorhin kommt mir auch wieder entgegen). Rechts von mir sehe ich die Statuen zweier Hirten, die einen Wolf vertreiben. Den Nervion-Bach überquere ich auf Steinen in einer Furt (nach stärkeren Regenfällen müsste man wahrscheinlich Schuhe und Socken ausziehen und sich ins kalte Wasser wagen). Die restlichen paar Kilometer habe ich - da ich selten für Fotos stehen bleibe - bald absolviert. Kurz vor 14 Uhr und 300 m vor dem Parkplatz kommt Ludwig ins Blickfeld. Während ich raste und danach dusche, könnt ihr die Fotos dieser Wanderung anschauen (mehr Bilder findet ihr auf Komoot).
























Fazit: auch wenn gestern Elorrio und Durango enttäuschend waren, hat es sich gelohnt, diesen Abstecher ins Landesinnere zu unternehmen. Wenn man berücksichtigt, dass ihn nur einer meiner vier - fünf, wenn man das ÖAMTC-Reise-Infoset mitzählt - Reiseführer erwähnt (und das ziemlich versteckt), kann man den Nervion-Wasserfall durchaus als Geheimtipp bezeichnen.


Ich überlege, ob ich heute noch weiterfahren soll. Dank der Kondition, die ich durch das Training in den vergangenen Monaten aufgebaut habe, wäre das zwar möglich, ich beschließe jedoch, hier zu bleiben. Erstens handelt es sich um einen Super-Schlafplatz mit guter Internet-Verbindung, und zweitens kann ich die Zeit nutzen, um Ludwig zu putzen und potenzielle künftige Park- und Übernachtungsplätze zu suchen. Und drittens habe ich vielleicht Glück und sehe heute etwas Himmelsröte. Nur zum Draußen-Sitzen ist es mit 14 Grad etwas zu kühl (ich befinde mich auf 660 m Seehöhe).


Zum Abendessen verspeise ich Kaiserschmarrn mit Apfelmus, ...


... und danach natürlich Joghurt mit Himbeeren und Nüssen.


Leider fehlen die passenden Wolken für einen farbenprächtigen Sonnenuntergang.


Meine Wanderung zum Wasserfall:


Kilometerstand: 2643 km (0 km gefahren, aber 18,1 km gegangen; mehr als 25.500 Schritte gemacht).